Der Druck auf Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst. Nach der Aufregung über seinen umstrittenen Investorenplan steht der Schweizer an der Spitze des Weltfußballverbands massiv in der Kritik. Doch reicht der Unmut, um ihn bei der nächsten Wahl in einem Jahr abzulösen? Der Sportrechtler Martin Nolte erläutert den Machtkampf im Weltfußball und die Chancen der Gegner Infantinos.
Infantino hatte zuletzt mit der Idee für Aufsehen gesorgt, private Investoren stärker in die Finanzierung von Fifa-Wettbewerben einzubinden. Kritiker befürchten eine weitere Kommerzialisierung des Fußballs und eine wachsende Abhängigkeit von externen Geldgebern. Der Plan stieß nicht nur bei europäischen Verbänden auf Widerstand, sondern auch bei einigen Nationalverbänden aus anderen Regionen, die sich von den Plänen des Präsidenten übergangen fühlen.
Nolte, Professor für Sportrecht an der Deutschen Sporthochschule Köln, sieht in der aktuellen Debatte eine ernsthafte Herausforderung für Infantino. Die Kritik sei breiter und grundsätzlicher geworden als in früheren Kontroversen. Allerdings, so der Jurist, verfüge Infantino über ein gut funktionierendes Netzwerk und habe in seiner Amtszeit viele Verbände durch finanzielle Zuwendungen an sich gebunden. Eine Ablösung sei daher keineswegs sicher, auch wenn die Unruhe in den Mitgliedsverbänden zunehme.
Die nächste Wahl des Fifa-Präsidenten steht turnusgemäß in etwa einem Jahr an. Infantino, der seit 2016 im Amt ist, hat bisher nicht erklärt, ob er erneut kandidieren wird. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass er eine weitere Amtszeit anstrebt. Seine Gegner hoffen derweil auf einen Kandidaten, der die Interessen der kleineren Verbände stärker berücksichtigt und für mehr Transparenz in der Verbandsführung sorgt.
Der Investorenplan ist nicht die erste Kontroverse in Infantinos Amtszeit. Bereits mehrfach stand der Schweizer wegen der Vergabe von WM-Turnieren, seiner Nähe zu autoritären Regimen und der undurchsichtigen Finanzstruktur des Verbands in der Kritik. Dennoch gelang es ihm bisher, jede Abstimmung über seine Person zu gewinnen. Ob ihm das auch diesmal gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Opposition ein gemeinsames Vorgehen findet und einen aussichtsreichen Gegenkandidaten präsentiert.
In den kommenden Monaten dürfte sich zeigen, ob die Kritik an Infantino in konkrete politische Konsequenzen mündet. Die europäischen Verbände, die traditionell als Gegengewicht zur Fifa-Führung auftreten, haben angekündigt, das Thema auf ihren Kongressen zu behandeln. Auch aus Südamerika und Afrika mehren sich Stimmen, die eine Reform der Verbandsstruktur fordern. Eine offene Revolte gegen den Präsidenten gilt jedoch als unwahrscheinlich, solange keine geschlossene Alternative in Sicht ist.
Der Machtkampf im Weltfußball ist damit in eine entscheidende Phase getreten. Infantino wird versuchen, die Wogen zu glätten und seine Basis zu sichern. Seine Kritiker müssen beweisen, dass sie mehr zu bieten haben als Unmut. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Fifa-Präsident seine Position behaupten kann oder ob der Druck auf ihn so groß wird, dass eine Ablösung tatsächlich möglich wird.

