Alexander Zverev hat bei den US Open eine historische Auftaktniederlage gerade noch abgewendet. Der topgesetzte Hamburger besiegte den italienischen Außenseiter Lorenzo Sonego in einem Fünfsatzkrimi mit 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:5, 6:4 und zog in die zweite Runde ein. Erst um 1.55 Uhr Ortszeit verwandelte Zverev im fast leeren Arthur Ashe Stadion seinen Matchball und durfte nach 4:52 Stunden befreit jubeln.

Der Weltranglistenzweite, der in New York erstmals als Nummer eins der Setzliste bei einem Grand-Slam-Turnier startet, ersparte sich damit nur mit großer Mühe eine historische Schmach. In der Geschichte des Profitennis waren seit 1968 nur sechs topgesetzte Spieler bei einem Grand-Slam-Turnier bereits in der ersten Runde gescheitert. Sonego, die Nummer 89 der Welt, war nur zwei Punktgewinne vom Sieg entfernt.

„Es war ein unglaublicher Kampf“, sagte der French-Open-Gewinner erleichtert. „Manchmal passieren gute Dinge, wenn du dich durch solche Matches durchgekämpft hast. Ich hoffe, das ist für mich bei diesem Turnier der Fall.“ Den verbliebenen Fans rief er am frühen Morgen zu: „Jeder ist müde, jeder will schlafen gehen. Eine gute Nacht und bis morgen.“

Zu Beginn zeichnete sich noch nicht ab, dass es eine lange Nacht für Zverev werden würde. Auf einen ordentlichen Start folgte nach einer guten halben Stunde ein Schreckmoment: Als er versuchte, einen Stopp von Sonego zu erreichen, geriet der 1,98 Meter große Hamburger ins Stolpern, fiel auf den Rücken, blieb dabei aber unverletzt. Sonego kletterte sofort über das Netz, um nach seinem Kontrahenten zu sehen und half ihm wieder auf die Beine.

Wenig später gelang Zverev durch einen Vorhandfehler des Italieners das erste Break. Er blieb bei eigenem Aufschlag souverän und machte den Gewinn des ersten Satzes nach 54 Minuten perfekt. Doch wie schon oft zu Beginn eines großen Turniers schlichen sich Nachlässigkeiten ein. Sonego versuchte, Zverev mit Netzangriffen in die Defensive zu drängen, entschied fast alle langen Ballwechsel für sich und schaffte das entscheidende Break zum 5:3 im zweiten Satz.

Zverev wirkte energielos, bewegte sich schlecht. Nach einem weiteren Aufschlagverlust guckte er mit zusammengepressten Lippen zu seinem Vater und Bruder Mischa in der ersten Reihe. Sonego nutzte die Schwächephase und nahm Zverev auch im dritten Satz den Aufschlag ab. „Das ist eine Gesamtmüdigkeit vom ganzen Jahr“, erklärte Zverev sein Tief. „Ich habe ein sehr, sehr gutes Jahr gehabt, ein sehr intensives Jahr. Nach Wimbledon habe ich mich vielleicht ein bisschen zu sehr entspannt, dann ist es schwer, wieder reinzukommen.“

Mehrfach maß der Hamburger bei den Seitenwechseln seinen Zuckerwert, Zverev ist seit Kindheitstagen an Typ-1-Diabetes erkrankt. Nach einiger Zeit berappelte sich der 29-Jährige und schaffte es in den Tie-Break. Die Mehrheit der Zuschauer im größten Tennisstadion der Welt unterstützte Sonego und bejubelte den Satzgewinn nach einem Doppelfehler von Zverev. Im vierten Durchgang blieb das Niveau hoch, Zverev erarbeitete sich Breakchance um Breakchance und belohnte sich mit dem Satzausgleich. Um Punkt 1.00 Uhr Ortszeit startete der entscheidende Durchgang, in dem Sonego sein voriges Niveau nicht mehr halten konnte. Zverev nahm seinem Gegner den Aufschlag zum 3:2 ab und behielt auch zum Schluss die Nerven.

„Das war ein Match, das ich nach den letzten paar Wochen gebraucht habe. Ich hatte bei den letzten Turnieren zu kämpfen“, gestand Zverev. Nach dem verlorenen Wimbledon-Endspiel gegen Jannik Sinner hatte der US-Open-Finalist von 2020 eine schlechte Vorbereitung auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres absolviert. Immerhin gelang ihm nun im siebten Duell mit Sonego der siebte Sieg. Bereits am Donnerstag geht es für ihn gegen den Franzosen Quentin Halys weiter. Von den deutschen Tennisprofis haben auch Eva Lys und Jan-Lennard Struff die zweite Runde erreicht.

Die Ausgangslage für den Triumph in New York ist für Zverev dabei so gut wie selten zuvor. Der Weltranglistenerste Sinner aus Italien fehlt wegen einer Knieblessur. Trotz eines starken ersten Auftritts gibt es bei der Rückkehr von Carlos Alcaraz nach einer mehr als viermonatigen Verletzungspause Fragezeichen hinter der Verfassung des Spaniers. Und Rekord-Grand-Slam-Turniersieger Novak Djokovic ist bereits ausgeschieden.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.