Jürgen Klopp bekommt seinen Traumjob. Knapp einen Monat nach dem schmerzhaften WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft präsentiert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den 59-Jährigen als neuen Bundestrainer. Die offizielle Vorstellung ist für Freitag um 11.00 Uhr auf dem DFB-Campus in Frankfurt geplant. Mit dem großen Zinédine Zidane verglichen zu werden, ist ganz nach dem Geschmack von Klopp und für ihn ein perfekter Start in seine neue Aufgabe.
Die Zeit als ersehnter Retter der Nationalmannschaft beginnt für Klopp tatsächlich mit einer – wenn auch zufälligen – Parallele zu Frankreichs Fußball-Ikone. Nur knapp eine Stunde, bevor der DFB nach den letzten Detailarbeiten am Klopp-Vertragswerk zu einer Pressekonferenz eingeladen hatte, wurde in Frankreich ein ähnliches Event für Dienstag terminiert. In beiden Fällen fehlten in den Schreiben der Verbände die Namen der allen bekannten Hauptakteure. So sicher wie der neue Nationalcoach in Frankreich Zidane heißt, so sicher wird in Deutschland künftig Klopp Bundestrainer sein.
Dass der Name des 59-Jährigen in der Mitteilung nicht erwähnt wurde, hatte nur noch formale Gründe. Kurz bevor der einstige Erfolgscoach als 13. Cheftrainer der Nationalmannschaft und Nachfolger des gescheiterten Julian Nagelsmann präsentiert wird, geben die Top-Funktionäre der zuständigen DFB-Gremien in einem digitalen Meeting noch ihre Zustimmung. Zweifel an einem Go für Klopp gibt es nicht mehr, da sich DFB-Chef Bernd Neuendorf in persönlichen Gesprächen abgesichert hat. Offen ist noch, ob der Verband auch gleich einen neuen Geschäftsführer benennt. Ex-Weltmeister Per Mertesacker gilt für den Posten als Favorit. Auf dem Podium soll am Freitag aber nur Klopp als Neuzugang sitzen.
Die Parallele zu Zidane endet jedoch bei den Namen. Der Franzose kann in Frankreich mit einem Sammelsurium an Weltstars um Kylian Mbappé die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Didier Deschamps angehen. Titel sind dort das logische Ziel. Klopp muss hingegen rudimentäre Aufbauarbeit leisten und steht wie sein Vorgänger Nagelsmann vor dessen Start vor drei Jahren an einem Tiefpunkt. Auch zu dessen Vorstellung im September 2023 lud der DFB damals übrigens ohne Namensnennung ein – eine weniger willkommene Parallele.
Der Verband rechnet offenbar angesichts der internationalen Strahlkraft von Klopp mit einem riesigen Interesse. „Für internationale Medien wird es zudem eine digitale Tonspur mit englischer Übersetzung geben“, lautete der dritte und letzte Satz der kurzen Medieneinladung. Welche Wucht der Name Klopp zum Beispiel auch in England auslöst, hatte gerade noch der Auftritt von Pop-Ikone Robbie Williams im MagentaTV-Interview nach dem WM-Finale dokumentiert. Diese kollektive Begeisterung im gedemütigten schwarz-rot-goldenen Fußball-Land hat ihn ins Amt gespült.
„Klopp ist genau der Richtige für diese Position. Jürgen steht für etwas Physisches und hohes Tempo. Er hat eine klare Spielidee mit und gegen den Ball. Er hat Aura und Autorität“, lieferte Matthias Sammer im Interview mit der „Zeit“ Argumente für die Verpflichtung. Die Verpflichtung des Wunschkandidaten hatte schon zuletzt klare Züge angenommen. „Wir sind nicht weit davon entfernt, etwas verkünden zu können. Das sollte in den nächsten Tagen passieren“, hatte Klopp noch in seiner Funktion als WM-Experte von MagentaTV vor dem Finale zwischen Spanien und Argentinien in East Rutherford gesagt.
Mit der Beendigung seiner Verpflichtungen aus dem Vertrag mit Red Bull als weltweiter Fußball-Chefstratege des Getränkeunternehmens hatte Klopp selbst einen Beitrag geleistet, nun in seinen neuen Traumjob starten zu können. Dies geschah zwei Jahre, nachdem er beim FC Liverpool aus großer Erschöpfung sein bisher letztes überaus erfolgreiches Trainer-Engagement beendet hatte. Die DFB-Führung unter Neuendorf und seinem Stellvertreter Hans-Joachim Watzke hatte sich schnell nach dem WM-Debakel mit dem Zwischenrunden-Aus gegen Paraguay und dem folgenden Rücktritt von Nagelsmann auf Klopp als klaren Top-Kandidaten festgelegt.
Das DFB-Spitzenduo war für ein Meeting mit dem Wunschcoach nach New York geflogen. Danach kam die Nachricht einer prinzipiellen Einigung. Anschließend wurde auch mit Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff eine Lösung gefunden. Laut „Bild“-Zeitung bekommt die Stiftung des Unternehmens eine Spende von einer Million Euro als Entschädigung. Der DFB kommentierte oder bestätigte Vertragsinhalte bisher nicht.
Klopp hat nun noch neun Wochen Zeit, sich auf die nächsten Länderspiele der Nationalmannschaft vorzubereiten. Am 24. September steht in Amsterdam die Premiere für ihn in der Nations League gleich mit dem Prestigeduell gegen die Niederlande an. Binnen zehn Tagen folgen die nächsten Partien gegen Griechenland, gegen Serbien und erneut in Griechenland. Bis zur ersten Kadernominierung Mitte September muss Klopp wichtige Personalien klären. Erwartet wird, dass Joshua Kimmich Kapitän der DFB-Elf bleibt. Offen ist, auf welchen Torwart der neue Bundestrainer nach dem Rücktritt von Manuel Neuer setzt. Der junge Jonas Urbig vom FC Bayern gilt als mögliche Option.
