Jonas Vingegaard hat zum Auftakt der 113. Tour de France ein starkes Zeichen gesetzt. Der zweimalige Tour-Champion gewann mit seinem Visma-Team das Mannschaftszeitfahren über 19,6 Kilometer in Barcelona und sicherte sich damit das erste Gelbe Trikot der diesjährigen Rundfahrt. Der Däne, der erst vor wenigen Wochen den Giro d'Italia für sich entschieden hatte, ließ dabei seine schärfsten Konkurrenten hinter sich.

Im Kampf gegen die Uhr war Vingegaard der schnellste Fahrer auf der Strecke. Am Ende betrug sein Vorsprung auf den Italiener Filippo Ganna vom Team Ineos acht Sekunden. Der slowenische Titelverteidiger Tadej Pogacar, der bei der Tour de France seinen fünften Gesamtsieg anstrebt, landete mit seinem UAE-Team auf dem dritten Platz und verlor bereits zwölf Sekunden auf den neuen Spitzenreiter. Der Belgier Remco Evenepoel, der als einer der großen Herausforderer gilt, wurde Fünfter. Er hatte seinen deutschen Teamkollegen Florian Lipowitz knapp zwei Kilometer vor dem Ziel abhängen müssen, was die taktische Komplexität des Mannschaftszeitfahrens unterstrich.

Die Besonderheit des diesjährigen Auftakts lag in der individuellen Zeitnahme aller Fahrer, die sich von früheren Mannschaftszeitfahren bei der Tour unterschied. Während in der Vergangenheit oft die Zeit des fünften Fahrers über das Teamergebnis entschied, wurde diesmal jeder Athlet einzeln gewertet. Die Strecke selbst war anspruchsvoll gestaltet: Nach einem flachen Beginn führte die Route über zwei kurze, aber knackige Anstiege, die den Fahrern alles abverlangten und die ersten kleinen Unterschiede im Gesamtklassement hervorbrachten.

Für Vingegaard ist der Auftaktsieg nicht nur ein psychologischer Vorteil, sondern auch ein klares Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Der 29-Jährige, der die Tour bereits 2022 und 2023 gewinnen konnte, zeigte sich in bestechender Form. Sein niederländisches Visma-Team, das in den vergangenen Jahren als eine der stärksten Mannschaften im Peloton galt, demonstrierte einmal mehr seine taktische und fahrerische Überlegenheit im Kampf gegen die Uhr. Die Zusammenarbeit im Team war nahezu perfekt, was letztlich den entscheidenden Vorsprung brachte.

Die Tour de France setzt sich am Sonntag mit einer weiteren Etappe in und um Barcelona fort. Auch diese Strecke wird ein hügeliges Finale mit mehreren Bergwertungen und einem kurzen Anstieg zum Ziel bieten. Größere Zeitabstände sind nach Ansicht von Experten jedoch noch nicht zu erwarten, da die Rundfahrt erst in den Alpen und Pyrenäen ihre entscheidenden Prüfungen bereithält. Die 113. Auflage der Tour endet traditionell am 26. Juli in Paris, wo der Gesamtsieger auf der Champs-Élysées gekürt wird.

Die Konkurrenz um Vingegaard ist stark besetzt. Neben Pogacar und Evenepoel gelten auch Fahrer wie der Brite Geraint Thomas und der Spanier Enric Mas als Anwärter auf das Podium. Doch der Auftakt in Barcelona hat gezeigt, dass Vingegaard und sein Team bereit sind, um den Gesamtsieg zu kämpfen. Die zwölf Sekunden Vorsprung auf Pogacar mögen gering erscheinen, doch in einem so engen Rennen können sie am Ende den Unterschied ausmachen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Däne seine Führung im Gesamtklassement verteidigen kann oder ob die Konkurrenz zurückschlägt.

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.