Der FC Hansa Rostock hat sein erstes Freundschaftsspiel gegen einen englischen Club mit 0:3 verloren, doch die eigentlichen Sieger des Abends standen auf den Rängen. Mehr als 6000 Hansa-Fans waren nach Watford gereist, um ihr Team zu unterstützen. Sie sorgten für eine Atmosphäre, die selbst die Gastgeber beeindruckte. Das Testspiel gegen den Zweitligisten FC Watford wurde so zu einem Erlebnis, das weit über das Ergebnis hinaus Beachtung fand.
Bereits Stunden vor dem Anpfiff zogen die Anhänger in einem beeindruckenden Fanmarsch durch die Straßen der Londoner Vorstadt. Viele von ihnen trugen weiße Shirts, wie es der Verein empfohlen hatte. Die Kulisse im und um das Vicarage Road Stadium war außergewöhnlich. Der lokale Reporter Adam Durry vom «Watford Observer» zeigte sich in einem Video auf der Plattform X begeistert: «Ich habe so etwas noch nie im Vicarage Road erlebt. Das Spiel bleibt vor allem wegen der Stimmung in Erinnerung, die die Hansa-Fans geschaffen haben.» Die englischen Gastgeber waren von der Unterstützung aus Norddeutschland sichtlich überrascht.
Hansa Rostock hatte seine Fans im Vorfeld zu einem respektvollen Auftritt aufgerufen. «Bitte verhaltet euch der Spielstätte gegenüber respektvoll. Es sollte für uns alle etwas Besonderes sein, in einem Stadion wie dem Vicarage Road Stadium zu Gast sein zu dürfen», hieß es in einer Mitteilung des Clubs. Die Anhänger kamen dieser Bitte nach – und das war in diesem Fall nicht selbstverständlich. In der Vergangenheit waren einige Hansa-Fans immer wieder durch negatives Verhalten aufgefallen. In Watford blieb es dagegen durchweg friedlich. Die Stimmung war ausgelassen, aber nie aggressiv. Die Fans sorgten ausschließlich für positive Eindrücke.
Sportlich hatten die Rostocker gegen den deutlich höher eingestuften Gegner wenig zu bestellen. Watford, das in der zweitklassigen Championship spielt, ging bereits früh in Führung. Othmane Maama traf in der 7. Minute zur 1:0-Führung. Nur elf Minuten später legte Armin Nabizada das 2:0 nach. Nach der Pause dauerte es bis zur 90. Minute, ehe Nikoloz Chikovani den 3:0-Endstand markierte. Hansa zeigte zwar einige offensive Ansätze, ein Tor gelang dem Drittligisten jedoch nicht. Kapitän Franz Pfanne bedauerte dies: «Es ist ein bisschen schade, dass wir das nicht geschafft haben. Bei einem Tor wären die Fans hier ausgerastet.» Auch Trainer Daniel Brinkmann war nicht ganz zufrieden: «Der Gegner war nicht unsere Kragenweite. Trotzdem hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht.»
Für den FC Hansa Rostock war die Partie gegen Watford ein historischer Moment. In der 60-jährigen Vereinsgeschichte stand der Club erstmals einem englischen Team gegenüber. Das Spiel diente der Vorbereitung auf die anstehende Saison in der 3. Fußball-Liga. Die weite Anreise von mehr als 6000 Fans unterstreicht die enge Bindung zwischen dem Verein und seiner Anhängerschaft. Selbst die deutliche Niederlage konnte die gute Stimmung nicht trüben.
Die eigentlichen Gewinner des Abends saßen auf der Tribüne. Die Fans des FC Hansa sorgten für ein unvergessliches Fußballfest in Watford und zeigten, dass ein Spiel mehr sein kann als nur ein sportlicher Wettkampf. Die beeindruckende Atmosphäre und das disziplinierte Verhalten der Anhänger bleiben in Erinnerung – und das ist mehr wert als jedes Ergebnis.
