Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat einen Großeinsatz zum Schutz des fünften Castor-Transports aus dem Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus gestartet. Der Transport des hochradioaktiven Atommülls wird von Hunderten Beamten auf der Strecke sowie an Start- und Zielpunkt gesichert. Die genaue Abfahrtszeit wurde nicht bekannt gegeben, Anti-Atomkraft-Initiativen rechnen jedoch mit einem Start am heutigen Abend.

Es ist bereits der fünfte Transport dieser Art seit Ende März. Die Polizei begleitet die unangekündigte Aktion mit einem Großaufgebot, wobei die Fahrtroute und Alternativstrecken aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht werden. Für die etwa 170 Kilometer lange Strecke werden rund vier Stunden benötigt. Die ersten vier nächtlichen Transporte quer durch NRW verliefen in den vergangenen Wochen ohne Zwischenfälle, obwohl es an mehreren Stellen Demonstrationen gegen die Verlagerung des Atommülls gab.

Das Aktionsbündnis «Stop Westcastor» veranstaltet in Jülich eine Mahnwache, während die Bürgerinitiative «Kein Atommüll in Ahaus» eine weitere in Ahaus plant. Die Behörden rechnen mit Protesten an mehreren Stellen entlang der Strecke. Die Transporte könnten sich zudem länger hinziehen als ursprünglich geplant. Das Transportunternehmen Orano hat eine Verlängerung der Transportgenehmigung um ein Jahr bis August 2028 beantragt, wie ein Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mitteilte. Diese Gesellschaft ist Auftraggeberin der Transporte.

Insgesamt müssen 152 Castor-Behälter nach Ahaus gebracht werden. In den Behältern werden insgesamt gut 288.000 tennisballgroße Brennelemente aus dem Versuchsreaktor transportiert. Der Reaktor war ein Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor, der von 1967 bis 1988 in Betrieb war. Die Brennstoffe in den Kugeln geben weiterhin radioaktive Strahlung ab und wären außerhalb der Behälter hochgefährlich. In jeden Behälter passen maximal 1.900 Kugeln, die insgesamt rund zwei Kilogramm Brennstoff enthalten. Ein beladener Castor-Behälter wiegt rund 27 Tonnen, ein Sattelzug mitsamt einem vollen Behälter knapp 130 Tonnen.

Hintergrund der Transporte ist eine Anordnung der NRW-Atomaufsicht, das Zwischenlager in Jülich zu räumen, weil dort die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Bei dem Transport durch Nordrhein-Westfalen handelt es sich in der Summe um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten. Die Polizei setzt bei der Sicherung der Transporte auf ein bewährtes Konzept, das bereits bei den vorherigen Fahrten zum Einsatz kam. Die Beamten sind sowohl auf der Strecke als auch an den Standorten Jülich und Ahaus präsent, um mögliche Störungen oder Gefahren zu verhindern.

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Nordrhein-Westfalen hat die Transporte von Beginn an kritisiert. Die Aktivisten fordern eine sichere und endgültige Lagerung des Atommülls sowie eine transparente Informationspolitik. Die Behörden betonen hingegen, dass die Transporte unter strengen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden und die Castor-Behälter den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Die Diskussion um die Atommüll-Lagerung in Deutschland bleibt damit weiterhin ein zentrales Thema, das die Öffentlichkeit und die Politik gleichermaßen beschäftigt.

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.