Der französische Frauenfußball-Nationaltrainer Hervé Deschamps hat nach der 1:2-Halbfinalniederlage seiner Mannschaft gegen Spanien bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland die Leistung der Schiedsrichterin scharf kritisiert. In einer Pressekonferenz nach dem Spiel stellte Deschamps die Frage, ob die Unparteiische überhaupt das nötige Niveau für ein WM-Halbfinale besitze. Die Äußerungen des Trainers sorgten im Anschluss für kontroverse Diskussionen in der französischen und internationalen Fußballwelt.
Das Spiel, das am Dienstag im Stadion von Auckland stattfand, war von mehreren strittigen Entscheidungen der Schiedsrichterin geprägt. Besonders ein nicht gegebener Elfmeter für Frankreich nach einem vermeintlichen Foul an Stürmerin Kadidiatou Diani in der 65. Minute erregte den Unmut von Deschamps. «In einem Halbfinale einer Weltmeisterschaft erwarte ich, dass die Schiedsrichterin in der Lage ist, solche entscheidenden Szenen korrekt zu bewerten», sagte der Trainer. «Wenn das nicht der Fall ist, muss man sich fragen, ob sie das Niveau für ein solches Spiel hat.»
Die Französinnen waren als Außenseiter in die Partie gegangen, hatten aber über weite Strecken der ersten Halbzeit gut mitgehalten. Spanien ging durch ein Tor von Aitana Bonmatí in der 35. Minute in Führung, doch Frankreich kämpfte sich zurück und glich durch einen Treffer von Eugénie Le Sommer kurz nach der Pause aus. In der 72. Minute erzielte Salma Paralluelo den Siegtreffer für die Spanierinnen, die damit erstmals in ihrer Geschichte ins WM-Finale einzogen.
Deschamps kritisierte nicht nur die Elfmeterentscheidung, sondern auch die allgemeine Spielführung der Unparteiischen. «Es gab mehrere Situationen, in denen die Schiedsrichterin inkonsistent gepfiffen hat. Das eine Mal wurde ein Foul gepfiffen, das andere Mal nicht, obwohl es ähnlich war. Das macht es für die Spielerinnen unmöglich, sich darauf einzustellen», so der Trainer. Er betonte, dass er nicht grundsätzlich gegen Schiedsrichter sei, aber in einem so wichtigen Spiel müsse die Qualität der Spielleitung stimmen.
Die spanische Mannschaft zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von der Kritik. Trainer Jorge Vilda wies die Vorwürfe zurück und lobte die Leistung seiner Spielerinnen. «Wir haben ein großartiges Spiel gezeigt und verdient gewonnen. Die Entscheidungen der Schiedsrichterin waren korrekt», sagte Vilda. Die Spanierinnen treffen im Finale am Sonntag auf England, das sich im zweiten Halbfinale gegen Australien durchsetzte.
Die französische Mannschaft hatte sich im Turnierverlauf stark präsentiert und unter anderem den Gastgeber Australien in der Gruppenphase besiegt. Der Einzug ins Halbfinale war der größte Erfolg des Teams seit Jahren. Die Niederlage gegen Spanien war für viele Beobachter überraschend, da Frankreich als einer der Titelfavoriten galt. Die Mannschaft von Deschamps hatte in der K.o.-Phase Marokko und Deutschland ausgeschaltet, bevor sie an Spanien scheiterte.
Die Diskussion um die Schiedsrichterleistung überschattete teilweise die sportliche Leistung beider Teams. Während die spanischen Spielerinnen ihren historischen Finaleinzug feierten, richtete sich der Fokus in Frankreich auf die vermeintlichen Fehlentscheidungen. In den sozialen Medien und in der französischen Presse wurde die Kritik von Deschamps kontrovers aufgenommen. Einige Kommentatoren unterstützten den Trainer, andere warfen ihm vor, die Niederlage nicht akzeptieren zu können.
Die FIFA hat sich bislang nicht zu den Äußerungen von Deschamps geäußert. Es bleibt abzuwarten, ob der Weltverband die Aussagen des Trainers offiziell prüfen wird. In der Vergangenheit wurden Trainer für öffentliche Kritik an Schiedsrichtern mit Geldstrafen oder Sperren belegt. Deschamps selbst deutete an, dass er bereit sei, die Konsequenzen seiner Aussagen zu tragen. «Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Es geht nicht um Ausreden, sondern um die Qualität des Schiedsrichterwesens in diesem Turnier», erklärte er.
Das Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien war eines der meistbeachteten Spiele des Turniers. Die Zuschauerzahl im Stadion und die Einschaltquoten in beiden Ländern waren hoch. Die Partie bot über weite Strecken hochklassigen Frauenfußball, wurde aber durch die Kontroversen um die Schiedsrichterin getrübt. Für Frankreich bleibt die Hoffnung, bei der nächsten Weltmeisterschaft in vier Jahren erneut eine Chance auf den Titel zu haben. Spanien hingegen steht nun vor der größten Herausforderung seiner Fußballgeschichte: dem Finale gegen England.
