Der Weltfußballverband Fifa hat die Rotsperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun überraschend aufgehoben. Der 25-Jährige, der für die US-Nationalmannschaft spielt, war im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Bosnien-Herzegowina nach einer Roten Karte vom Platz gestellt worden. Nun darf er im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen. Hintergrund der Entscheidung ist offenbar ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino, bei dem Trump Druck ausgeübt haben soll, die Sperre zu überprüfen.
Die Rote Karte hatte Balogun erhalten, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegenspielers Tarik Muharemovic gelandet war. Schiedsrichter werteten dies als grobes Foulspiel und schickten den Stürmer vom Feld. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Trump mehrfach mit Infantino telefoniert haben, bevor die Sperre aufgehoben wurde. Die Fifa selbst äußerte sich zunächst nicht offiziell zu den genauen Gründen der Entscheidung.
Die Aufhebung der Sperre stößt international auf breite Kritik. Mehrere Experten und Funktionäre sprachen von einer schlechten Entscheidung, die dem Sport schade. Besonders deutlich äußerte sich der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp, der als Experte für MagentaTV tätig war. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, sagte Klopp und bezog sich damit auf die mutmaßliche Einflussnahme von Trump und Infantino. Er fügte hinzu: „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage.“
Klopp, der derzeit mit dem Deutschen Fußball-Bund über eine Verpflichtung als Bundestrainer verhandelt, kritisierte auch die inhaltliche Begründung für die Aufhebung der Sperre. „Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Das ist eine Rote Karte. So leid uns das tut, weil der Balogun das nicht will. Das sind die Regeln“, sagte der 59-Jährige. Er erinnerte daran, dass selbst bei einer möglichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters die Regeln des Spiels gelten müssten: „Unser Spiel, da leiden wir alle unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir im Laufe des Lebens, damit zu leben. Das ist einfach eine Tatsachenentscheidung.“
Der Weltverband Fifa steht nun wegen der zurückgezogenen Sperre massiv in der Kritik. Berichten zufolge distanzierten sich auch hochrangige Fifa-Vertreter von der Entscheidung. Mehrere Medien sprechen von einem Skandal, der das Vertrauen in die Integrität des Fußballs erschüttere. Die internationale Presse berichtet ausführlich über die sogenannte „Causa Balogun“ und wirft die Frage auf, ob politischer Druck künftig häufiger Einfluss auf sportliche Entscheidungen nehmen werde.
Die Fifa selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch das Weiße Haus in Washington gab zunächst keine offizielle Stellungnahme zu den Telefonaten zwischen Trump und Infantino ab. Balogun selbst zeigte sich erleichtert über die Aufhebung der Sperre, äußerte sich aber nicht zu den politischen Hintergründen. Der Stürmer ist einer der wichtigsten Spieler der US-Mannschaft und hatte in der laufenden WM bereits mehrere Tore erzielt.
Das Achtelfinale zwischen den USA und Belgien findet in den kommenden Tagen statt. Die Partie wird mit Spannung erwartet, nicht nur wegen des sportlichen Duells, sondern auch wegen der politischen Implikationen. Kritiker befürchten, dass die Entscheidung der Fifa einen Präzedenzfall schaffen könnte, bei dem politischer Druck künftig sportliche Urteile beeinflusst. Die Diskussion um die Unabhängigkeit des Fußballs von politischer Einflussnahme dürfte damit noch lange nicht beendet sein.
