Die SV Elversberg hat ihren ersten Auftritt in der Fußball-Bundesliga eindrucksvoll begonnen. Nach vier von 34 Spieltagen steht der Aufsteiger mit sieben Punkten nicht nur vor den beiden anderen Aufsteigern, sondern auch vor etablierten Größen wie RB Leipzig, Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart. Zum Abschluss der ersten Etappe vor der Länderspielpause holte die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner ein 0:0 beim FC Schalke 04 vor über 60.000 Zuschauern.

„Vorher hätte ich es genommen. Wenn Elversberg auf Schalke einen Punkt holt, sollte man zufrieden sein“, sagte Wagner nach der Partie. Der Punktgewinn in der großen Arena auf Schalke war für die Saarländer der vorläufige Höhepunkt einer bemerkenswerten Startphase. Bereits zuvor hatte die SVE mit Siegen gegen Bayer Leverkusen (3:2) und Borussia Mönchengladbach (4:3 nach einem 1:3-Rückstand) für Aufsehen gesorgt. Auch gegen Serienmeister Bayern München verlor man nur knapp mit 1:2.

Die sportliche Entwicklung ist umso bemerkenswerter, weil die Bedingungen in Elversberg bescheiden sind. Wegen Bauarbeiten am Stadion passen derzeit nur etwas mehr als 9.000 Zuschauer in die Arena. Profis wie Harry Kane, Michael Olise oder Patrik Schick mussten sich bei ihren Gastspielen im Containerdorf umziehen. „Wir gehen mit einem guten Niveau in die Länderspielpause. Wir können auf diesem Niveau Fußball spielen“, analysierte Wagner.

Der starke Start blieb auch Bundestrainer Jürgen Klopp nicht verborgen. Felix Keidel, 23 Jahre alt und aktuell im Kader der SV Elversberg, wurde für die anstehenden Nations-League-Spiele gegen Serbien und in Griechenland nominiert. Er ist der erste Spieler in der Vereinsgeschichte, der den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft hat. Keidel erfuhr zunächst von seinem Co-Trainer Mike Frantz von der Nominierung. „Ich habe erst gefragt, ob er mich verarscht, aber es war dann wahr“, sagte Keidel. Das Telefonat mit Klopp folgte wenig später. „Er hat mich gefragt, wie es mir geht“, berichtete Keidel. „Da habe ich gesagt: ‚Mir geht es gut und Ihnen?‘ Da hat er aber direkt gemeint: ‚Ihnen soll ich lassen oder Sie. Ich bin Du oder Jürgen.‘“

Neben Keidel gehören mit Younes Ebnoutalib, inzwischen bei Eintracht Frankfurt, und Bambasé Conté, der zur TSG Hoffenheim wechselte, zwei weitere Spieler aus dem Elversberger Umfeld zu Klopps XXL-Aufgebot. Für Keidel ist die Nominierung der vorläufige Höhepunkt einer steilen Karriere: Noch vor eineinhalb Jahren spielte er mit dem FC Ingolstadt in der 3. Liga, im Sommer stieg er mit dem Dorfclub in die Bundesliga auf. „Ich bin überglücklich über den Anruf, wie es gerade läuft“, sagte er.

Nach der Länderspielpause warten auf die SV Elversberg die nächsten Aufgaben in der Bundesliga. Die Gegner heißen dann Union Berlin und FC Augsburg. Trainer Wagner lobte nach dem 0:0 auf Schalke auch den Gegner, der ebenfalls für Aufruhr gesorgt hatte: „Ich finde es cool, auf welchem Weg beide Mannschaften sind.“ Die Schalker hatten gegen die Bayern einen Punkt geholt. Für Elversberg geht es nun darum, den starken Start zu bestätigen und sich in der Liga weiter zu behaupten.

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Sebastian Mertens

Autor

Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.