Torwart Oliver Baumann hat knapp zwei Monate nach dem Ende der Fußball-WM seinen Unmut über die späte Degradierung durch den damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann öffentlich gemacht. Der 36-Jährige sagte im Interview mit dem Sender Nitro: «Im Sommer tat deutlich mehr weh, wie das gelaufen ist. Das war unfassbar – auch nicht nur aus einer Richtung tatsächlich.» Was der Profi der TSG Hoffenheim mit dieser Andeutung genau meinte, ließ er offen.

Baumann war unter Nagelsmann lange Zeit die Nummer eins im deutschen Tor. Unmittelbar vor dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada holte Nagelsmann jedoch Manuel Neuer zurück. Neuer stand bei allen vier WM-Partien der Deutschen bis zum Ausscheiden im Sechzehntelfinale gegen Paraguay zwischen den Pfosten und beendete anschließend zum zweiten Mal nach 2024 seine Karriere im DFB-Trikot. Baumanns Degradierung und die Entscheidung für Neuer hatte Nagelsmann nach Angaben des Torhüters bereits vor dem letzten Testspiel gegen die USA in Chicago getroffen. Beim 2:1-Sieg hatte Baumann wenige Tage vor Turnierbeginn noch eine starke Leistung gezeigt.

Nun muss Baumann auch unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp einen Rückschlag hinnehmen. Klopp nominierte ihn nicht für die kommenden vier Länderspiele. Stattdessen berief er neben Marc-André ter Stegen (34 Jahre) auch Alexander Nübel (29), Finn Dahmen (28), Noah Atubolu (24) und Jonas Urbig (23) in den Kader. «Die Entscheidung muss ich akzeptieren. Die gefällt mir nicht, das ist klar. Sie schlagen einen anderen Weg ein, das muss ich akzeptieren und respektieren», sagte Baumann nach der 0:2-Niederlage seiner TSG Hoffenheim in der Europa League bei OFI Kreta.

Baumann blickt auf 13 Länderspiele für Deutschland zurück, die er alle unter Nagelsmann absolvierte. Sein bislang letztes Spiel im DFB-Trikot war die WM-Generalprobe gegen Gastgeber USA in Chicago. Die Degradierung kurz vor dem Turnier hatte Nagelsmann seinerzeit heftige Kritik eingebracht. Baumann selbst hatte sich zunächst bedeckt gehalten und erst jetzt, nach dem Trainerwechsel und der erneuten Nichtberücksichtigung, deutliche Worte gefunden.

Für den 36-Jährigen bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Zäsur in seiner Nationalmannschaftskarriere. Ob er unter Klopp noch einmal eine Chance erhält, ist offen. Der neue Bundestrainer setzt im Tor offenbar auf eine jüngere Ausrichtung mit mehreren Kandidaten. Baumann hingegen konzentriert sich zunächst auf seinen Verein, mit dem er in der Europa League eine Niederlage verkraften musste. Seine Aussagen dürften die Diskussion um die Personalie im deutschen Tor und die Umstände der WM-Vorbereitung noch einmal anfachen.

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Theresa Jungmann

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.