Die ehemalige serbische Tennisspielerin Ana Ivanović hat erstmals öffentlich über die wahren Gründe für ihr überraschendes Karriereende im Jahr 2016 gesprochen. In einer Talkshow offenbarte die 37-Jährige, dass sie damals unter schweren Panikattacken litt, die sie schließlich zum Rückzug aus dem Profisport zwangen. Offiziell hatte Ivanović ihren Rücktritt im Alter von nur 29 Jahren mit zahlreichen Verletzungen begründet.

„Ich hatte wirklich heftige Panikattacken“, sagte Ivanović in der Sendung. „Ich habe nie darüber gesprochen, aber es war eine sehr schwierige Zeit für mich.“ Die ehemalige Weltranglistenerste erklärte, dass die psychischen Belastungen sie letztlich stärker beeinflussten als die körperlichen Probleme. „Die Verletzungen waren da, aber die mentalen Probleme waren der eigentliche Grund, warum ich aufgehört habe“, so die Serbin weiter.

Ivanović, die 2008 die French Open gewann und kurzzeitig die Nummer eins der Welt war, kämpfte in den letzten Jahren ihrer Karriere nicht nur mit körperlichen Beschwerden, sondern auch mit zunehmenden Ängsten vor Matches und Turnieren. „Ich hatte Angst, auf den Platz zu gehen. Ich wusste nicht, ob ich die Erwartungen erfüllen kann“, gestand sie. Die Panikattacken seien immer schlimmer geworden, bis sie sich schließlich entschloss, ihre Karriere zu beenden.

Die Entscheidung fiel ihr nach eigenen Angaben nicht leicht. „Tennis war mein ganzes Leben. Ich habe mit fünf Jahren angefangen zu spielen, und plötzlich war alles vorbei“, erinnerte sich Ivanović. „Aber ich wusste, dass ich so nicht weitermachen konnte. Es ging um meine Gesundheit.“ Die 15-fache Turniersiegerin betonte, dass sie heute froh sei, diesen Schritt gegangen zu sein, auch wenn er damals schwer zu verstehen war.

Ivanovićs Offenbarung wirft ein neues Licht auf die oft tabuisierte Thematik psychischer Belastungen im Profisport. Immer mehr Athleten sprechen in den letzten Jahren öffentlich über mentale Probleme, darunter auch Tennisstars wie Naomi Osaka oder Nick Kyrgios. Die serbische Spielerin hofft, dass ihr Bericht anderen Sportlern helfen kann, sich ebenfalls zu öffnen. „Es ist wichtig, dass wir darüber reden. Viele denken, dass Profisportler unverwundbar sind, aber das sind wir nicht“, sagte sie.

Nach ihrem Karriereende zog sich Ivanović weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Sie heiratete 2016 den deutschen Fußballspieler Bastian Schweinsteiger, mit dem sie drei Kinder hat. Heute lebt die Familie in den USA, und Ivanović engagiert sich in verschiedenen wohltätigen Projekten. Sie hat mehrfach betont, dass sie ihr Leben nach dem Tennis genieße und keine Pläne für ein Comeback habe.

Die ehemalige Tennisspielerin, die in ihrer Karriere über 15 Millionen US-Dollar Preisgeld verdiente, bleibt dem Sport jedoch verbunden. Sie besucht gelegentlich Turniere und gibt jungen Spielerinnen Ratschläge. „Ich möchte ihnen zeigen, dass es okay ist, Hilfe zu suchen. Man muss nicht alles alleine durchstehen“, erklärte Ivanović. Ihr offener Umgang mit den psychischen Problemen wird von Experten und Fans gleichermaßen begrüßt.

Die Panikattacken, die Ivanović beschrieb, sind ein weit verbreitetes Phänomen im Spitzensport. Der Druck, ständig Höchstleistungen erbringen zu müssen, die öffentliche Erwartungshaltung und die ständige Reisetätigkeit können zu schweren psychischen Belastungen führen. Ivanovićs Geschichte zeigt, dass auch erfolgreiche Athleten nicht immun gegen solche Probleme sind. Ihr Mut, darüber zu sprechen, könnte dazu beitragen, das Stigma um psychische Erkrankungen im Sport weiter abzubauen.