Alexander Zverev hat das Finale von Wimbledon gegen den italienischen Weltranglistenersten Jannik Sinner verloren. Der 29-jährige Deutsche unterlag nach 3:46 Stunden mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6 und verpasste damit den zweiten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Zverev war als erster deutscher männlicher Finalist seit Boris Becker 1995 in das Endspiel des prestigeträchtigen Rasenturniers im Südwesten Londons eingezogen.

Der French-Open-Sieger zeigte zunächst eine starke Leistung und gewann den ersten Satz im Tiebreak. Mit herausragenden Aufschlägen und aggressivem Spiel setzte er den Topfavoriten Sinner unter Druck. Im zweiten Satz steigerte sich der Italiener jedoch und glich ebenfalls im Tiebreak aus. In den folgenden Sätzen konnte Zverev sein hohes Niveau nicht halten und musste sich schließlich geschlagen geben.

„Jannik, ich mag dich nicht mehr wirklich“, witzelte Zverev nach der Niederlage mit Blick auf die Tatsache, dass er dem Topstar nun zehnmal in Serie unterlegen war. An sein Team gerichtet sagte er: „Wir hatten ziemlich gute zwei Monate – auch wenn wir dieses Finale verloren haben. Mit 29 Jahren habe ich zum ersten Mal gedacht, ich kann diese Trophäe gewinnen.“ Die Hoffnungen auf den ersten deutschen Wimbledon-Sieger seit Michael Stich vor 35 Jahren erfüllten sich damit nicht.

Sinner würdigte die Leistung seines Kontrahenten: „Du warst heute so nah dran. Wenn du so weiterspielst, bin ich sehr sicher, dass du diesen auch zu Hause haben wirst“, sagte er mit Blick auf den goldenen Pokal in seinen Händen. „Ich weiß, eins deiner Ziele ist, Nummer eins der Welt zu werden. Du bist sehr nah dran. Wir müssen sehr vorsichtig sein.“ Am Montag wird Zverev wieder auf Weltranglistenplatz zwei klettern.

Zverev wäre erst der dritte deutsche männliche Tennisspieler gewesen, der sich in den Siegerlisten von Wimbledon verewigt. Nur Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991) stehen auf der Ehrentafel. „Er spielt gegen den besten Spieler der Welt, der einmal mehr zeigt, warum er da steht“, sagte Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Experte bei Prime Video. „Wenn man alle vier Sätze nimmt: Ich glaube, dann ist es schon so, dass Jannik vielleicht für zwei, drei, vier Prozent der etwas bessere und konstantere Spieler war.“

Das Finale verfolgte eine königlich besetzte Tribüne. Prinzessin Kate und Prinz William sowie ihre Kinder George und Charlotte waren ebenso anwesend wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Zverev legte am wichtigsten Tag seines Wimbledon-Wegs einen erfolgreichen Start hin und brachte das Publikum mit seinen Aufschlägen mehrmals zum Raunen. Im Tiebreak des ersten Satzes setzte der Spitzenspieler mit einer unerreichbaren Vorhand zum Satzgewinn das erste Ausrufezeichen – jubelnd ging er in die Knie.

Es war sein erster Satzgewinn gegen den Südtiroler seit Oktober 2025. In sechs Duellen in Serie war es ihm nicht gelungen, nur einen Durchgang zu holen. Sobald sich Sinner zum Seitenwechsel setzte, wickelte er ein kühlendes Eis-Handtuch um seinen Nacken. Bei den French Open hatte Zverev davon profitiert, dass der Südtiroler in der Hitze körperlich eingebrochen und sensationell in der zweiten Runde ausgeschieden war. Bei unter 30 Grad Celsius war das Wetter am Wimbledon-Finaltag nicht der entscheidende Faktor.

Zverev spielte weiter aggressiv und ging ins Risiko. Gegen die Aufschläge des 1,98 Meter großen Hamburgers fand Sinner lange kein Mittel – bis zum zweiten Tiebreak, in dem Zverev sein Niveau nicht halten konnte und deutlich den Kürzeren zog. Zu Beginn des dritten Satzes nahm Zverev gleich mehrere Energiegels beim Seitenwechsel zu sich. Sinner wirkte frischer, kam zunehmend besser in die Partie und besser mit den Aufschlägen des Hamburgers zurecht.

Eine Schrecksekunde gab es, als Zverev bei seiner ersten Breakchance im gesamten Match ausrutschte, mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb und sich ans Knie fasste. Sinner eilte herüber und half dem Kontrahenten auf – Zverev konnte weiterspielen. Nachdem er zweieinhalb Sätze kein Break kassiert hatte, gab die deutsche Nummer eins kurz darauf erstmals den Aufschlag zum 3:5 ab. Enttäuscht schleuderte der 29-Jährige seinen Schläger zur Seite. Mit dem Aufschlagverlust im vierten Satz war das Endspiel entschieden.