Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine umfassende Start-up-Strategie verabschiedet, die darauf abzielt, Innovationen in Deutschland zu halten und die Gründung neuer Unternehmen aus der Wissenschaft heraus zu erleichtern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Rüstungsindustrie, wie aus dem vom Bundeskabinett beschlossenen Papier hervorgeht. Die Strategie umfasst mehrere Maßnahmen, die bürokratische Hürden abbauen und den Zugang zu Risikokapital verbessern sollen.

Kern der neuen Strategie ist die Erkenntnis, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um innovative Start-ups und deren Ansiedlung an Boden verloren hat. Viele vielversprechende Gründungen wandern ins Ausland ab, insbesondere in die USA oder nach Asien, wo die Finanzierungsbedingungen und regulatorischen Rahmenbedingungen oft günstiger sind. Mit der neuen Strategie will die Regierung gegensteuern und Deutschland als Standort für technologieorientierte Neugründungen attraktiver machen.

Ein zentrales Element ist die geplante Reduzierung von Bürokratie. Die Regierung will Genehmigungsverfahren beschleunigen und Gründern den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern. Besonders im Bereich der Verteidigungstechnologie sollen Start-ups künftig schneller und unkomplizierter mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten können. Dies ist vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa und der Notwendigkeit, die Bundeswehr zu modernisieren, von besonderer Bedeutung.

Die Fokussierung auf Rüstungstechnologie ist ein Novum in der deutschen Start-up-Förderung. Bislang galt der Verteidigungssektor für viele Gründer als schwieriges Terrain, geprägt von langen Entscheidungswegen und strengen Geheimhaltungsvorschriften. Die neue Strategie sieht vor, spezielle Förderprogramme aufzulegen, die auf die Bedürfnisse von Rüstungs-Start-ups zugeschnitten sind. Dazu gehören unter anderem erleichterte Zugänge zu Forschungsgeldern und eine verbesserte Vernetzung mit etablierten Rüstungskonzernen.

Neben der Rüstungskomponente enthält die Strategie auch Maßnahmen zur Stärkung des Risikokapitalmarktes. Die Regierung plant, staatliche Beteiligungen an Wagniskapitalfonds auszubauen und so privates Kapital zu mobilisieren. Ziel ist es, die Finanzierungslücke für Start-ups in der Wachstumsphase zu schließen, die oft als entscheidend für den Verbleib in Deutschland gilt. Zudem sollen steuerliche Anreize für Investitionen in junge Technologieunternehmen geschaffen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Regierung will die rechtlichen Rahmenbedingungen für sogenannte Spin-offs verbessern und den Technologietransfer beschleunigen. Viele vielversprechende Ideen aus der deutschen Forschungslandschaft scheitern bislang an der Umsetzung in marktfähige Produkte. Die neue Strategie sieht vor, Gründungsberatungen an Hochschulen auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren.

Die Reaktionen auf die Strategie fallen gemischt aus. Während Wirtschaftsverbände die grundsätzliche Richtung begrüßen, fordern sie konkretere Maßnahmen und eine schnellere Umsetzung. Kritiker bemängeln, dass die Pläne nicht weit genug gingen und Deutschland weiterhin im internationalen Vergleich hinterherhinke. Insbesondere die Fokussierung auf Rüstungstechnologie stößt bei einigen Oppositionspolitikern und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf Skepsis, die eine Militarisierung der Forschungslandschaft befürchten.

Die Bundesregierung verteidigt den Kurs. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums betonte, dass die Strategie einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der technologischen Souveränität Deutschlands leiste. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen sei es entscheidend, über eigene Schlüsseltechnologien zu verfügen. Die Maßnahmen würden nun schrittweise umgesetzt, erste Effekte erwarte man bereits im kommenden Jahr.

Mit der Verabschiedung der Start-up-Strategie setzt die Regierung ein weiteres Zeichen für eine aktivere Industriepolitik. Nach der bereits beschlossenen Chip-Strategie und der Wasserstoff-Strategie ist dies der dritte große technologiepolitische Vorstoß innerhalb eines Jahres. Beobachter sehen darin den Versuch, Deutschlands Rolle als Innovationsstandort zu stärken und gleichzeitig sicherheitspolitische Notwendigkeiten zu adressieren.