Andy Burnham, der neue Vorsitzende der britischen Labour-Partei, wird am kommenden Montag von König Charles III. zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt. Der Politiker, der in der Partei als unumstritten gilt, kündigte bereits eine Neuausrichtung der Regierungspolitik an. Die Ernennung erfolgt nach einem Sonderparteitag in London, auf dem Burnham ohne Gegenkandidaten zum Labour-Vorsitzenden gewählt wurde. Damit endet die Amtszeit von Keir Starmer, der zuvor sowohl Parteichef als auch Regierungschef war.

Burnham, der in der Öffentlichkeit auch als «König des Nordens» bekannt ist, übernimmt die Regierungsgeschäfte in einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen. In seiner ersten Rede nach der Wahl zum Parteivorsitzenden lobte er ausdrücklich die Arbeit seines Vorgängers Starmer und versprach, auf dessen Reformkurs aufzubauen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er eigene Akzente setzen werde, um die Lebenshaltungskostenkrise zu bekämpfen und das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zurückzugewinnen. Die Labour-Partei hatte zuletzt in Umfragen an Zustimmung gewonnen, was Burnham als Auftrag für einen Neuanfang interpretiert.

Bereits vor der offiziellen Ernennung durch den Monarchen kursieren erste Namen für das künftige Kabinett. Insidern zufolge sollen mehrere erfahrene Labour-Politiker Schlüsselressorts übernehmen, darunter das Finanz- und das Innenministerium. Burnham selbst gilt als pragmatischer Politiker, der sowohl den linken als auch den moderaten Flügel seiner Partei hinter sich vereinen kann. Seine politische Karriere begann er als Abgeordneter im Unterhaus, später war er Gesundheitsminister und Bürgermeister von Greater Manchester. In dieser Rolle erwarb er sich einen Ruf als entschlossener Krisenmanager, insbesondere während der Corona-Pandemie.

Die Übergabe der Regierungsgeschäfte verläuft planmäßig. König Charles III. wird Burnham am Montag im Buckingham-Palast empfangen und ihn offiziell mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragen. Anschließend wird der neue Premierminister vor der Downing Street eine erste Ansprache an die Nation halten. Beobachter erwarten, dass Burnham darin seine politischen Prioritäten skizzieren wird: die Stabilisierung der Wirtschaft, Investitionen in das öffentliche Gesundheitswesen und eine Reform des Wohnungsmarktes. Auch das Verhältnis zur Europäischen Union dürfte ein zentrales Thema sein, nachdem der Brexit die britische Politik jahrelang gespalten hat.

Die Reaktionen auf Burnhams Aufstieg sind gemischt. Während die Labour-Partei geschlossen hinter ihm steht, äußern sich Vertreter der Konservativen Partei skeptisch. Sie werfen Burnham vor, in der Vergangenheit zu stark auf staatliche Interventionen gesetzt zu haben. Unabhängige Kommentatoren heben dagegen hervor, dass Burnham als Bürgermeister von Manchester über exekutive Erfahrung verfüge und in der Lage sei, über Parteigrenzen hinweg zu vermitteln. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob er diesen Erwartungen gerecht werden kann.

Mit der Ernennung Burnhams endet vorläufig eine Phase politischer Unsicherheit in Großbritannien. Die Labour-Partei hatte nach dem Rücktritt Starmers im Frühjahr einen Nachfolgeprozess eingeleitet, der nun mit Burnhams Wahl abgeschlossen ist. Der neue Premierminister steht vor der Aufgabe, seine Partei auf die nächsten Parlamentswahlen vorzubereiten, die spätestens 2025 stattfinden müssen. Seine ersten Entscheidungen werden genau beobachtet werden, sowohl im Inland als auch international.