Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran haben sich weiter verschärft. In der zehnten Angriffsnacht in Folge bombardierte das US-Militär nach eigenen Angaben erneut iranische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenstartanlagen sowie Luftabwehrsysteme. Die Angriffswelle dauerte rund fünf Stunden und richtete sich gezielt gegen Einrichtungen, die nach Einschätzung des US-Regionalkommandos Centcom für Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus genutzt werden.
US-Präsident Donald Trump erklärte auf seinem Onlinedienst Truth Social, die Angriffe erfolgten „zu Ehren“ der getöteten US-Soldaten. „Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er dafür ein Vielfaches bezahlen“, drohte Trump. Zugleich kündigte er an, am Dienstagabend einen Militärstützpunkt in Delaware zu besuchen, um die sterblichen Überreste kürzlich getöteter Soldaten in Empfang zu nehmen. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind insgesamt 17 US-Militärangehörige getötet worden, allein in den vergangenen Tagen drei.
Die iranischen Revolutionsgarden meldeten ihrerseits erfolgreiche Angriffe auf US-Einrichtungen in der Region. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna griffen iranische Bodentruppen den US-Stützpunkt Arifjan in Kuwait mit Boden-Boden-Raketen an. Zudem hätten die Revolutionsgarden zwei Luftabwehrsysteme und eine Radaranlage an US-Stützpunkten in Bahrain sowie Raketenabwehrsysteme, Radaranlagen und Satellitenempfangssysteme in Kuwait getroffen. In einer von Irna verbreiteten Erklärung hieß es: „Angesichts dieses Radarangriffs sollte sich der Feind auf noch entschlossenere und heftigere Wellen von Drohnen- und Raketenangriffen gefasst machen.“
Ein zentrales Ereignis der jüngsten Eskalation war die Sprengung zweier Öltanker in der Straße von Hormus. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten zwei „nicht regelkonform agierende Öltanker“ gestoppt, die versucht hätten, die „unsichere Südroute“ der Meerenge zu passieren. „Explosionen an Bord führten zu verheerenden Bränden“, hieß es in der Erklärung. Die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) bestätigte, dass vor der Küste Omans ein Tanker von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Der Vorfall ereignete sich rund 15 Kilometer nordöstlich von Limah im Oman.
Die Straße von Hormus gilt als einer der Hauptstreitpunkte zwischen Washington und Teheran. Durch die Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports abgewickelt. Die USA hatten ihre jüngsten Angriffe unter anderem damit begründet, die Fähigkeit des Iran zu schwächen, „weiterhin Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen“. Die iranische Führung sieht die Wasserstraße dagegen als strategisches Druckmittel in dem Konflikt.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hatte Ende Februar begonnen. Beide Seiten einigten sich im April auf eine Waffenruhe und schlossen im Juni ein Rahmenabkommen, das ein endgültiges Friedensabkommen binnen 60 Tagen ermöglichen sollte. Trump erklärte die Waffenruhe jedoch vor gut einer Woche nach neuen gegenseitigen Angriffen für beendet. Am Samstag erklärte Teheran die Rahmenvereinbarung für hinfällig. Am Montag sagte Irans Präsident Massud Peseschkian, sein Land befinde sich in einem „vollumfänglichen Krieg“ mit den USA.
Vermittler bemühen sich nach Angaben von Nachrichtenagenturen weiterhin um eine neue Waffenruhe. Bislang zeichnet sich jedoch keine Einigung ab. Die USA betonten, die Angriffe dienten der Selbstverteidigung und dem Schutz der Schifffahrt. Der Iran droht mit weiteren Angriffen auf US-Stützpunkte und Schiffe in der Region. Die Lage in der Straße von Hormus bleibt angespannt, die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge.
