Die USA haben ihre Militäroperationen gegen den Iran in der siebten Nacht in Folge fortgesetzt. Das US-Militär erklärte, man habe Dutzende militärische Ziele mit Präzisionsmunition getroffen, darunter Flugabwehrsysteme und Radaranlagen zur Küstenüberwachung. Nach iranischen Angaben wurden bei den Bombardements Brücken, ein Flughafen und Infrastruktur der Seefahrt beschädigt.
UN-Generalsekretär António Guterres äußerte über einen Sprecher Besorgnis über die Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran und der gesamten Region. „Solche Angriffe sind inakzeptabel“, ließ Guterres erklären. Auch Irans UN-Botschafter hatte die US-Angriffe auf zivile Einrichtungen als Kriegsverbrechen bezeichnet. Das US-Militär wies diese Vorwürfe zurück und betonte, man habe ausschließlich militärische Ziele angegriffen.
In einer späteren Mitteilung des zuständigen Regionalkommandos hieß es, US-Streitkräfte hätten am Donnerstag einen Turm zerstört, der Teil eines maritimen Überwachungsnetzwerks entlang der iranischen Küste am Golf von Oman gewesen sei. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hätten den Turm jahrzehntelang genutzt, um Handelsschiffe auf ihrer Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu verfolgen und ins Visier zu nehmen. Mit den Angriffen auf Brücken sollten Nachschubwege zu einem iranischen Marinestützpunkt an der strategisch wichtigen Straße von Hormus unterbrochen werden, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf einen US-Beamten.
Der Iran reagierte auf die US-Angriffe mit Vergeltungsschlägen gegen Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain sowie Katar. Zudem meldete Teheran Angriffe auf Ziele in Syrien, dem Irak und Jordanien. Nach iranischen Angaben sind im Juli bisher 38 Menschen im Zuge der US-Angriffe getötet worden. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums dürften sich ausschließlich auf getötete Zivilisten beziehen und noch nicht die Opfer der jüngsten nächtlichen Angriffswelle beinhalten. Iranische Medien sprachen zunächst von insgesamt acht weiteren Toten.
US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt erklärte am Donnerstag in Washington, der Iran stehe nach wie vor in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten und sei weiter an einem Abkommen interessiert. Die fortgesetzten Angriffe begründete Leavitt mit dem Verhalten der iranischen Führung. US-Präsident Donald Trump werde nicht tatenlos zusehen, wie der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife, sagte die Sprecherin.
Der Vermittlerstaat Pakistan hadert unterdessen zunehmend mit seiner Rolle in dem Konflikt. Aus Diplomatenkreisen verlautete, führende Politiker seien frustriert über den Vermittlungsprozess. Aktive Vermittlungsbemühungen Pakistans ruhten derzeit. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums rief alle Konfliktbeteiligten zu Zurückhaltung auf. Besonders in Bedrängnis bringt Pakistan eine mögliche überregionale Eskalation. Sollte es zu einer weiteren kriegerischen Eskalation im Iran kommen, könnte die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen wieder mit Drohungen und Angriffen am Eingang zum Roten Meer den Schiffsverkehr durch den Suezkanal zum Erliegen bringen. Dies hätte fatale Folgen für den internationalen Handel. Saudi-Arabien, mit dem Pakistan ein Militärbündnis unterhält, konnte zuletzt Blockaden in der Straße von Hormus umgehen, indem Öl über Pipelines und Häfen am Roten Meer transportiert wurde. Eine Schließung dieser Passage wäre verheerend.
Die anhaltenden Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie die Beteiligung weiterer regionaler Akteure lassen eine weitere Eskalation des Konflikts befürchten. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge, während die diplomatischen Bemühungen bisher keine Durchbrüche erzielen konnten.
