Fast die Hälfte aller Beschäftigten in Bayern will einer aktuellen Umfrage zufolge vorzeitig in Rente gehen. Laut einer repräsentativen Erhebung im Auftrag der Krankenkasse DAK planen 47 Prozent der Arbeitnehmer im Freistaat einen vorgezogenen Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Nur 31 Prozent möchten bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, während neun Prozent sogar darüber hinaus tätig sein wollen.

Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. So möchten 53 Prozent der über 50-Jährigen – also gut jede und jeder Zweite – früher in Rente gehen. Bei den jüngeren Beschäftigten sind es lediglich 44 Prozent. DAK-Landeschef Rainer Blasutto erklärte, dass viele ältere Beschäftigte aus dem Berufsleben ausscheiden möchten, weil die gesundheitlichen Belastungen zunähmen.

Der Gesundheitszustand hat einen starken Einfluss auf die Rentenpläne. Während über alle Altersgruppen hinweg nur 45 Prozent der fitten Beschäftigten vor dem gesetzlichen Rentenalter aufhören wollen, sind es bei denjenigen mit gesundheitlichen Problemen 58 Prozent. Paradoxerweise erfordert es bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen die finanzielle Situation jedoch besonders oft, dass sie möglichst lange arbeiten müssen.

Die Ergebnisse stammen aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport «Arbeiten ab 50», der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Neben der repräsentativen Forsa-Umfrage unter gut 1.000 bayerischen Beschäftigten, darunter die Hälfte über 50 Jahre, wurden auch die Arbeitsunfähigkeitsdaten von 337.000 bayerischen Versicherten der Kasse ausgewertet. Diese Datenbasis gilt aufgrund ihrer Breite ebenfalls als repräsentativ.

Die Auswertung der Versichertendaten ergab, dass über 50-Jährige zwar deutlich seltener, aber dafür jeweils länger krankgeschrieben sind, was insgesamt zu mehr Fehltagen führt. Im Jahr 2025 sammelten sich pro versichertem Erwerbstätigen über 50 Jahren im Schnitt rund 24 Fehltage an – bei den Jüngeren hingegen nur 15. In der älteren Gruppe liegt Bayern mit einem Krankenstand von 6,6 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Fehlzeiten ab Anfang bis Mitte 50. Ab dem Alter von 64 Jahren liegt der Krankenstand der im Freistaat Beschäftigten im Schnitt bei neun Prozent. Das bedeutet, dass an jedem Tag neun von 100 Arbeitnehmern in diesem Alter krankgeschrieben sind. Bei den über 67-Jährigen sinkt der Wert wieder rapide, weil nur überwiegend gesunde Menschen im Job verbleiben.

Die Umfrage untersuchte auch, was ältere Arbeitnehmer motivieren könnte, länger im Berufsleben zu bleiben. Neben einer guten Bezahlung und der Anpassung der Arbeitsbedingungen sehen die Beschäftigten vor allem Wertschätzung als wichtiges Kriterium für ein langes Verbleiben im Job. Allerdings erfährt diese Altersgruppe nur gut zur Hälfte zumindest tendenziell ein hohes Maß an Anerkennung durch Vorgesetzte.

Die Ergebnisse der Studie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters plant. Derzeit liegt dieses je nach Jahrgang zwischen 65 und 67 Jahren. Wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann, darf ohne Abschläge etwas früher gehen. Künftig soll die Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung angepasst und voraussichtlich alle zehn Jahre um sechs Monate angehoben werden.

Die Diskrepanz zwischen den politischen Plänen und den Wünschen der Beschäftigten ist deutlich. Während die Politik eine längere Lebensarbeitszeit vorbereitet, strebt fast die Hälfte der bayerischen Arbeitnehmer einen früheren Ausstieg an. Besonders die gesundheitlichen Belastungen und der Wunsch nach mehr Anerkennung am Arbeitsplatz spielen dabei eine zentrale Rolle. Die DAK-Studie zeigt, dass ohne gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Wertschätzung älterer Mitarbeiter die Kluft zwischen politischen Zielen und der Realität in den Betrieben weiter wachsen dürfte.