Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau sieben Frachtschiffe mit Drohnen angegriffen. Die Schiffe hätten im ukrainischen Hafen von Mykolajiw gelegen oder seien im Schwarzen Meer unterwegs gewesen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur RIA. Russland begründet solche Angriffe wiederholt damit, dass auf den Schiffen Rüstungsgüter für das ukrainische Militär transportiert würden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Im Zuge der Angriffe seien in Tschornomorsk zudem eine Fabrik für Autoteile und ein Hafenterminal getroffen worden. Dort hätten die ukrainischen Streitkräfte Militärfahrzeuge repariert sowie Munition und Treibstoff gelagert, hieß es aus Moskau. Auch diese Darstellung lässt sich unabhängig nicht bestätigen. Die Ukraine und Russland haben in den vergangenen Wochen ihre gegenseitigen Angriffe auf den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer verstärkt.

In der Nacht zu Dienstag griff die ukrainische Armee nach Angaben der Zeitung «Kyiv Independent» unter Berufung auf russische Telegram-Kanäle erneut Logistikzentren des russischen Versandhändlers Wildberries an. Getroffen wurden demnach Standorte in Tschechow nahe Moskau und in Krasny Bor nahe Sankt Petersburg. Bilder und Videos davon kursierten in sozialen Medien. Seit Mitte Juli wurden nach Angaben russischer Behörden mehr als 20 Wildberries-Standorte in verschiedenen Teilen Russlands und auf der Krim angegriffen. Wildberries ist eine der größten Onlinehandelsplattformen des Landes und wird wegen seines breiten Angebots und Liefernetzes häufig als «russisches Amazon» bezeichnet. Das Unternehmen übernimmt nach Einschätzung von Beobachtern auch wichtige Lieferungen für russische Unternehmen und das Militär.

Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, hält einen Nato-Beitritt der Ukraine für ausgeschlossen. «Leider werden wir niemals wirklich beitreten», sagte der heutige Botschafter in Großbritannien laut dem Medium «Evropeiska Pravda» bei einem Treffen ukrainischer Botschafter. Er kenne die Nato sehr gut und habe etwa zwölf Jahre lang persönlich daran gearbeitet, dass die Ukraine die Nato-Standards erfülle. «Jedes Jahr habe ich Märchen darüber gehört, wie wir jeden Tag der Nato beitreten würden.» Saluschnyj begründete seine Einschätzung damit, dass die Ukraine die militärischen Standards für einen Beitritt in keiner Weise erfülle. Es sei unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lasse. Dem Land fehle die Technologie, die in den Nato-Mitgliedstaaten bereits im Einsatz sei, darunter Raketenabwehr und Weltraumfähigkeiten. Das strategische Ziel einer Mitgliedschaft in Nato und Europäischer Union ist in der ukrainischen Verfassung verankert. Saluschnyj war 2024 wegen Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Kriegsführung gegen Russland als Oberbefehlshaber entlassen worden. In Umfragen zum Vertrauen der Wähler liegt er etwa auf Augenhöhe mit Selenskyj. Russland lehnt eine ukrainische Nato-Mitgliedschaft kategorisch ab.

Bereits am Montag ist bei einem Drohnenangriff auf ein türkisches Frachtschiff im Schwarzen Meer nach Regierungsangaben mindestens drei Seeleute schwer verletzt worden. Der Angriff traf das Schiff «Nadeschda» etwa 20 Seemeilen vom russischen Hafen Noworossijsk entfernt, wie die türkische Generaldirektion für Seeverkehr mitteilte. Das Schiff war auf dem Weg nach Samsun in der Türkei und fuhr unter der Flagge von Kamerun. Zur Herkunft der Drohnen äußerte sich die Behörde nicht. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf den Kapitän, mehrere ukrainische Drohnen hätten das Schiff angegriffen. An Bord brach demnach ein Brand aus. Alle 23 Seeleute wurden von der russischen Marine nach Noworossijsk in Sicherheit gebracht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zudem die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, von ihrem Amt entbunden. Das Präsidialamt in Kiew veröffentlichte den entsprechenden Erlass. Die frühere Vizeministerpräsidentin schrieb auf Facebook, sie habe selbst um ihre Entlassung gebeten. In Kiew hatte Mitte Juli eine mögliche Ablösung der Botschafterin für Aufsehen gesorgt. Als Nachfolgerin war die abgelöste Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko im Gespräch, die den Posten Medienberichten zufolge jedoch abgelehnt hat. Eine Nachfolgeregelung ist derzeit nicht bekannt. Sowohl Stefanischyna als auch Swyrydenko hielten trotz der wechselhaften Ukraine-Politik der US-Regierung einen guten Draht zur Führung von Präsident Donald Trump. Zuletzt hatte Trump der Ukraine eine Lizenz zum Bau von Patriot-Flugabwehrraketen versprochen, diese Zusage aber wenig später wieder infrage gestellt. Selenskyj hatte angekündigt, bis zum Herbst Druck auf seine Botschafter auszuüben, um die diplomatische Arbeit der Ukraine zu intensivieren.