Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben die Ermittler ein Bekennervideo auf dem Handy des mutmaßlichen Attentäters Abdul Ballout gefunden. Der Clip zeigt den 21-Jährigen, der sich zu der Tat bekennt und dem sogenannten Islamischen Staat (IS) die Treue schwört. Die Bundesanwaltschaft bestätigte den Fund, der für die weiteren Ermittlungen von zentraler Bedeutung ist. Das Video soll am Tattag aufgenommen worden sein und liefert ein klares islamistisches Motiv.

Ballout war am vergangenen Wochenende mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten gefahren, direkt neben der CSD-Veranstaltungsfläche. Dabei wurde eine polnische Frau getötet. 29 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen, viele von ihnen waren in ärztlicher Behandlung. Nach Angaben der Behörden schwebt niemand mehr in Lebensgefahr, doch mehrere Opfer befinden sich weiterhin im Krankenhaus. Der Täter konnte zunächst unerkannt entkommen, wurde aber am darauffolgenden Tag in Berlin-Spandau von der Polizei aufgespürt und bei einem Einsatz erschossen.

Die Polizei fand das Mobiltelefon offenbar im Fahrzeug des Täters, das nach der Tat sichergestellt wurde. Zudem entdeckten die Einsatzkräfte eine Machetenscheide, was auf eine mögliche weitere Bewaffnung hindeutet. Die genauen Umstände, wie Ballout das Handy verlor, sind noch unklar und werden derzeit untersucht. Das Bekennervideo stammt vom Tag des Anschlags und wird von den Ermittlern ausgewertet. Es untermauert die Annahme, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handelte.

Die Fluchtroute des Attentäters führte laut Medienberichten durch die Menschenmassen über die Straße des 17. Juni, den Platz des 18. März am Brandenburger Tor und den Friedrich-Ebert-Platz am Reichstag bis zum Bahnhof Friedrichstraße. Von dort fuhr er mit der S-Bahn nach Spandau, wo er am nächsten Tag von der Polizei gestellt wurde. Die Beamten setzten unter anderem Mantrailer-Hunde ein, um seine Spur zu verfolgen. Der Zugriff in Spandau endete tödlich, nachdem Ballout sich den Festnahmeversuchen widersetzt hatte.

Der Anschlag auf den CSD in Berlin hat bundesweit Entsetzen und große Anteilnahme ausgelöst. Politiker aller Parteien verurteilten die Tat aufs Schärfste und sprachen den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Die Diskussion über mögliche Konsequenzen, etwa in der Sicherheitspolitik und bei der Terrorbekämpfung, hat bereits begonnen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, da ein terroristischer Hintergrund angenommen wird. Auch die Frage nach Versäumnissen der Sicherheitsbehörden wird debattiert, da Ballout den Behörden offenbar bereits vor der Tat als islamistischer Gefährder bekannt war.

Die Identität des Täters, Abdul Ballout, ein 21-jähriger Berliner mit Migrationshintergrund, war den Behörden offenbar bereits vor der Tat bekannt. Ihm wurde eine Nähe zur islamistischen Szene nachgesagt, doch die genauen Hintergründe seiner Radikalisierung sind noch Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Die Polizei prüft zudem, ob der Täter Helfer oder Unterstützer hatte, und durchsucht sein persönliches Umfeld. Der Fall wirft erneut grundlegende Fragen zur Terrorprävention und zur Überwachung radikalisierter Personen in Deutschland auf.