Papst Leo XIV. hat den Vereinigten Staaten von Amerika zum 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit eine Videobotschaft übermittelt, in der er die Einheit des Landes beschwört und an seine Geschichte als Einwanderungsnation erinnert. Der Pontifex, der selbst US-Amerikaner ist, betonte in seiner Ansprache, dass die Ideale der Unabhängigkeitserklärung die USA weiterhin in „Einheit, Gerechtigkeit und Frieden“ leiten sollten. Seine Worte werden als versteckte Kritik an der restriktiven Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump verstanden, der in den vergangenen Monaten zahlreiche Maßnahmen zur Verschärfung der Migrationskontrollen ergriffen hat.

In der Botschaft hob der Papst hervor, dass die USA gerade deshalb zum Symbol für Freiheit geworden seien, weil das Land immer wieder Einwanderern und deren Kindern die Möglichkeit gegeben habe, die Zukunft der Nation mitzugestalten. Diese Aussage steht im Gegensatz zu den jüngsten politischen Entscheidungen der Trump-Regierung, die unter anderem die Abschiebung von Migranten ohne legalen Status beschleunigt und den Zugang zu Asylverfahren drastisch eingeschränkt hat. Bereits im vergangenen Jahr hatte Leo XIV. die Behandlung von Migranten durch die US-Regierung scharf verurteilt und erklärt, dass eine Politik, die gegen Abtreibung sei, aber die „unmenschliche Behandlung von Migranten“ billige, nicht wirklich „für das Leben“ eintrete. Das Weiße Haus wies diese Kritik damals zurück.

Der Papst rief die Amerikaner dazu auf, den Geburtstag des Landes zum Anlass zu nehmen, sich wieder auf die grundlegenden Werte zu besinnen, die Amerika zu einem Land des Friedens, des Wohlstands und der Großzügigkeit gemacht hätten. Besonders betonte er das Bild der Einheit: „Einheit gab diesem Traum Stärke, der unter Gott die Vereinigten Staaten von Amerika entstehen ließ“, sagte Leo. Die Betonung der Einheit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die politische Polarisierung in den USA besonders ausgeprägt ist. Demokraten und viele politische Beobachter werfen Trump und den Republikanern vor, durch ihre Rhetorik und Politik die gesellschaftlichen Spaltungen im Land zu vertiefen.

Parallel zur Botschaft des Papstes nutzte auch der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani den Unabhängigkeitstag für eine symbolträchtige Rede, in der er die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung indirekt scharf kritisierte. Mamdani, der selbst in Uganda geboren wurde und erst später die US-Staatsbürgerschaft erhielt, sprach an einem historischen Schreibtisch, den der erste US-Präsident George Washington einst genutzt hatte. Umringt von eingebürgerten Einwanderern, die US-Flaggen hielten, sagte er: „Wenn man sie fragt, wird Amerika weniger, je mehr Menschen es willkommen heißt.“ Ohne Trump namentlich zu nennen, fügte er hinzu: „Sie werden dir sagen, dass Amerika nur denjenigen gehört, die den richtigen Akzent haben oder die richtige Hautfarbe. Sie bestehen darauf, dass der Rest von uns dankbar sein sollte, die Erlaubnis zum Besuchen zu haben.“

Mamdani, der sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über Trump geäußert, sich aber auch mehrfach mit ihm getroffen hat, setzte damit ein deutliches Zeichen gegen die restriktive Migrationspolitik der Regierung. Die Vereinigten Staaten feiern den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit mit zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Land. In New York sind unter anderem ein großes Feuerwerk, eine Lichtshow an der Freiheitsstatue und eine Schiffsparade geplant, an der auch das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock teilnehmen soll. Erstmals in seiner Geschichte soll der berühmte Ball am Times Square nicht an Silvester, sondern an diesem Unabhängigkeitstag herabgelassen werden. Der 4. Juli 1776 gilt als Geburtsstunde der USA, als Abgesandte der 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung verabschiedeten und sich von Großbritannien lossagten.

Autor

Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.