Jürgen Klopp steht unmittelbar vor der Übernahme des Bundestrainer-Postens. Der 59-Jährige gab kurz vor dem Anpfiff des WM-Finales zwischen Spanien und Argentinien in East Rutherford bekannt, dass er eine Einigung mit Red Bull erzielt habe, die ihn für die Aufgabe beim Deutschen Fußball-Bund freimacht. „Ich habe eine Einigung und eine Regelung mit Red Bull gefunden, eine sehr, sehr großzügige Regelung, wenn man so will“, sagte Klopp vor dem Eingang des MetLife Stadiums in New Jersey.

Die Verhandlungen zwischen Klopp und dem DFB waren in den vergangenen Wochen intensiviert worden, nachdem die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA bereits in der Zwischenrunde gescheitert war. Die Ära von Julian Nagelsmann als Bundestrainer endete nach dem überraschenden Aus gegen Paraguay. Seitdem gilt Klopp als Wunschkandidat des Verbandes, um den deutschen Fußball wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Klopp betonte jedoch, dass noch nicht alle Details abschließend geklärt seien. „Es ist nichts final und das ist nun mal so. Es ist ja so, die Gespräche liefen und alles geht in die richtige Richtung“, sagte er in einem aufgezeichneten TV-Gespräch mit Johannes B. Kerner und Laura Wontorra vor seinem finalen Experten-Einsatz bei der WM für MagentaTV. Der frühere Liverpool-Trainer zeigte sich gewohnt lässig in schwarzem T-Shirt und mit breitem Lächeln, mokierte sich aber auch über Indiskretionen der vergangenen Tage, die er seinem künftigen Arbeitgeber zuschob. „Ob sie jetzt richtig oder falsch sind, sei mal dahingestellt“, sagte Klopp.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hält sich der DFB offiziell noch bedeckt. „Der DFB kommentiert den aktuellen Verhandlungsstand mit Jürgen Klopp nicht. Eine finale Entscheidung treffen die zuständigen Gremien“, teilte der Verband auf Anfrage mit. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für die offizielle Verkündung auf Hochtouren. Der Masterplan sieht vor, dass Klopp spätestens am Freitag auf dem DFB-Campus in Frankfurt vorgestellt wird. Zuvor müssen die Aufsichtsräte und die Gesellschafter der DFB GmbH und Co. KG in einer virtuellen Sitzung zustimmen, die von DFB-Präsident Bernd Neuendorf einberufen wird.

Die Einigung mit Red Bull war der entscheidende Durchbruch. Klopp war eigentlich bis 2029 als weltweiter Fußball-Chef des Brause-Imperiums gebunden. Nach einem klärenden Gespräch mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff steht nun der Weg für die Rückkehr auf die Trainerbank frei. Klopp selbst hatte bereits kurz nach dem Scheitern der DFB-Elf in Foxborough den Auftrag beschrieben: „Es geht um viel. Wer es auch immer machen wird, hat einen Haufen zu tun.“ Diese Formulierung klingt im Nachhinein wie eine Absicherung des Erfolgscoaches, der sich des Wagnisses bewusst ist.

Die Zeit drängt, denn bereits in rund 60 Tagen steht das nächste Länderspiel gegen die Niederlande an. Dann soll Klopp bereits auf der Trainerbank sitzen. Der deutsche Fußball steckt in einer tiefen Krise, die durch das frühe WM-Aus noch verstärkt wurde. Prominente Stimmen wie Jürgen Klinsmann, der Macher des Sommermärchens 2006, und Philipp Lahm, der letzte siegreiche deutsche WM-Kapitän von 2014, haben deutliche Worte gefunden. „Wir sind jetzt absolut im Mittelmaß, ganz verloren irgendwo“, lautete ein vernichtendes Urteil.

Klopp selbst ist sich der Herausforderung bewusst. Der gebürtige Schwabe hat in seiner Karriere bereits den VfL Mainz 05, Borussia Dortmund und den FC Liverpool trainiert und dabei zahlreiche Titel gewonnen, darunter die deutsche Meisterschaft, die Champions League und die englische Premier League. Nun soll er die Nationalmannschaft wieder zu alter Stärke führen. Die Vorfreude auf seine Rückkehr in den aktiven Trainerjob ist bei den Fans und im Verband gleichermaßen groß.

Während Klopp vor dem WM-Finale in New Jersey als Experte für MagentaTV arbeitete, war aus der Führung des DFB niemand als Gast von FIFA-Boss Gianni Infantino vor Ort. Auch Neuendorf als Mitglied des FIFA-Councils fehlte. Dies unterstreicht die angespannte Situation im deutschen Fußball, der nach dem enttäuschenden WM-Auftritt dringend positive Schlagzeilen benötigt. Die Verpflichtung von Klopp soll genau diese Wende bringen.