In Deutschland ist seit heute erstmals eine Abnehmpille auf dem Markt erhältlich. Das Medikament ergänzt damit die bereits bekannte Abnehmspritze und erweitert das Angebot für Menschen mit Übergewicht. Martin Fassnacht, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, sieht in dem neuen Präparat eine sinnvolle Ergänzung, weist jedoch zugleich auf wichtige Einschränkungen hin.
„Wie bei jedem Medikament ist eine ärztliche Überwachung sinnvoll“, sagte Fassnacht. Der Experte betonte, dass das Medikament nicht leichtfertig eingenommen werden sollte. „Die Leute sollten krank sein und es nicht aus reinen Lifestyle-Gründen nehmen“, so der Endokrinologe. Damit richtet sich der Appell vor allem an Menschen, die das Präparat ohne medizinische Notwendigkeit zur reinen Gewichtsreduktion nutzen möchten.
Die Einführung der Pille erfolgt vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach Medikamenten zur Gewichtsabnahme. In den vergangenen Jahren hatten insbesondere Abnehmspritzen für Aufsehen gesorgt und waren zeitweise weltweit stark nachgefragt worden. Die neue Pille bietet nun eine zusätzliche Option, die von Patientinnen und Patienten als weniger invasiv empfunden werden könnte.
Fachleute weisen seit längerem darauf hin, dass solche Präparate nur bei Menschen mit medizinischer Indikation eingesetzt werden sollten. Dazu zählen etwa Personen mit starkem Übergewicht oder mit Begleiterkrankungen wie Diabetes. Eine Einnahme ohne ärztliche Begleitung kann Risiken bergen, die bei einer reinen Lifestyle-Anwendung nicht gerechtfertigt wären.
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vertritt die Interessen von Fachärzten, die sich mit Hormon- und Stoffwechselerkrankungen befassen. Dazu gehört auch die Behandlung von Adipositas, die als chronische Erkrankung anerkannt ist. Die Gesellschaft sieht in der neuen Pille grundsätzlich eine Bereicherung der Therapiemöglichkeiten, mahnt aber zugleich einen verantwortungsvollen Umgang an.
Ärztinnen und Ärzte stehen nun vor der Aufgabe, Patientinnen und Patienten individuell zu beraten und abzuklären, ob das Medikament im jeweiligen Fall geeignet ist. Dabei spielen Faktoren wie der Body-Mass-Index, Vorerkrankungen und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine Rolle. Eine sorgfältige Anamnese und regelmäßige Kontrollen gelten als unerlässlich.
Die Markteinführung in Deutschland erfolgt im Rahmen der europäischen Zulassung des Präparats. Wie bei anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten gilt auch hier: Die Abgabe erfolgt ausschließlich über Apotheken nach Vorlage eines Rezepts. Eine freie Verfügbarkeit ohne ärztliche Verordnung ist nicht vorgesehen.
Ob sich die Pille als dauerhafte Alternative zur Spritze etablieren kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend dürfte neben der Wirksamkeit auch die Verträglichkeit sein. Erste Erfahrungen aus der klinischen Praxis werden mit Spannung erwartet.

