Die Stadtverwaltung von Straßburg will den festlich geschmückten Eingangsbogen zum berühmten Weihnachtsmarkt erneuern und stößt damit mitten im Sommer auf heftige Kritik. Grund ist die veranschlagte Summe von 140.000 Euro für den neuen Bogen, der nach dem Willen der Verwaltung «Instagram-tauglicher» werden soll. Oppositionspolitiker und Stadträte bezeichnen die Ausgaben als absurd, während die Stadt auf den Sanierungsstau des alten Wahrzeichens verweist.

Der Streit betrifft eines der bekanntesten Symbole des Straßburger Christkindelsmärik, wie der Weihnachtsmarkt im Elsass traditionell heißt. Die Stadtverwaltung hatte im Frühjahr eine Ausschreibung veröffentlicht, um dem Wahrzeichen von «Straßburg, der Weihnachtshauptstadt» neues Leben einzuhauchen. In dem Papier heißt es, der Bogen gelte als bedeutendes Wahrzeichen, das von Millionen Besuchern besucht, fotografiert, gefilmt und mit Hashtags versehen werde. Der künftige Eingangsbogen solle den Besuchern einen ästhetischen Anblick bieten, der sie dazu anrege, ein Foto zu machen, das den Namen «Christkindelsmärik» zur Geltung bringe.

Der erste stellvertretende Bürgermeister Mathieu Cahn von der sozialistischen Partei PS verteidigte das Vorhaben in der Zeitung «Les Dernières Nouvelles d'Alsace». «Die derzeitige Installation ist in die Jahre gekommen, und Reparaturen werden immer häufiger. Es ist Zeit, sie zu erneuern», sagte er. Die neue Konstruktion soll laut Ausschreibung «Authentizität, Tradition, Solidarität und Modernität» vereinen und Dekorationselemente aus Holz oder anderen natürlichen Materialien enthalten. Erste Entwürfe sollen bereits im August vorliegen.

Kritik kommt vor allem aus den Reihen der Grünen. «140.000 Euro, um den Weihnachtsbogen instagrammable zu machen – das ist absurd», sagte der Oppositionspolitiker Alain Jund der Zeitung «Le Parisien». Er wies darauf hin, dass der Straßburger Weihnachtsmarkt jedes Jahr 3,5 Millionen Besucher anzieht. «Die neue Stadtverwaltung sollte sich eher darauf konzentrieren, den Touristenstrom besser zu lenken oder die Veranstaltung umweltfreundlicher zu gestalten.» Ähnlich äußerte sich die grüne Stadträtin Florence Varieras gegenüber dem Sender France 3: «Es ist doch klar, dass das nur für die sozialen Medien ist, um immer mehr Touristen anzulocken.»

Auch in der örtlichen Bevölkerung sorgt die geplante Ausgabe für Unmut. Leser der Straßburger Zeitung kritisierten unter anderem, dass für den Austausch des Bogens 140.000 Euro bereitgestellt werden, während bereits beschlossene Projekte auf Eis gelegt oder überarbeitet wurden, um Kosten zu sparen. Andere fragten, ob das Geld nicht sinnvoller eingesetzt werden könnte. Ein Leser verwies auf die Verschuldung der Stadt von mehr als 400 Millionen Euro und sprach von «reiner Verschwendung».

Es gibt aber auch Stimmen, die den Erhalt des Bogens ausdrücklich befürworten. Ein Kommentar nannte den Bogen ein Wahrzeichen, das an den Weihnachtsmarkt der Kindheit erinnere. Die ursprüngliche Bezeichnung wecke Erinnerungen und biete Touristen ein Stück Authentizität. «Er hat es verdient, dass man ihn mit Schwung renovieren lässt», hieß es in dem Kommentar.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt zieht jedes Jahr Millionen Besucher an, und der Eingangsbogen gehört seit Langem zum Bild der Budengassen. Die Debatte über seine Erneuerung zeigt, wie schnell hohe Ausgaben für vermeintliche Schönheit in der Öffentlichkeit für Zündstoff sorgen können.