Die Bereitschaft deutscher Haushalte, privat in den Klimaschutz zu investieren, ist wieder gestiegen. Laut der jüngsten Auflage des „Energiewendebarometers“ der Förderbank KfW bekunden zwei Drittel (66 Prozent) der Haushalte Handlungsbereitschaft. Damit hat sich der mehrjährige Abwärtstrend umgekehrt, nachdem 2025 mit 59 Prozent der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018 gemessen worden war.

Für die aktuelle Erhebung wurden 4.381 Haushalte vom 10. Dezember 2025 bis zum 1. April 2026 repräsentativ befragt. Eine steigende Zahl von 84 Prozent (Vorjahr: 83 Prozent) gab an, den Umbau des Energiesystems weg von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien für wichtig oder sehr wichtig zu halten. Bereits jetzt nutzen rund 14 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens eine klimaschonende Technologie wie Wärmepumpe, Pelletheizung, Photovoltaik-Anlage, Solarthermie oder Elektroauto. Das entspricht jedem dritten Haushalt (34 Prozent). Weitere 5 Prozent planen nach eigenen Angaben eine solche Investition in den nächsten zwölf Monaten.

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht in den Daten ein klares Signal: „Der außergewöhnliche Hitzesommer 2026 hat die Notwendigkeit des Klimaschutzes nochmal klar verdeutlicht.“ Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine deutliche Spreizung nach Einkommen. „Haushalten im unteren Einkommenssegment fehlen oft die Mittel für Investitionen in klimaschonende Technologien“, erklärt Schumacher. Da finanzschwache Haushalte häufiger mit Öl und Gas heizen, fällt bei ihnen die Bepreisung fossiler Brennstoffe zugleich stärker ins Gewicht.

Seit 2021 gibt es in Deutschland einen CO2-Preis für alle fossilen Energieträger wie Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel. Der Verbrauch dieser Rohstoffe wird dadurch teurer, was zum Klimaschutz beitragen soll. Zum 1. Januar 2026 wurde der Preis je Tonne Kohlendioxid von 55 Euro auf eine Spanne zwischen 55 und 65 Euro angehoben. Durch die steigende CO2-Bepreisung würden ärmere Haushalte in den kommenden Jahren überproportional belastet, sagt Schumacher. „Um die Energiewende in die Breite zu tragen, ist es wichtig, auch einkommensschwächere Haushalte durch gezielte Fördermaßnahmen für Energiewendetechnologien zu gewinnen.“

Der Handlungsbedarf bleibt groß: Fast zwei Drittel der Haushalte in Deutschland (63 Prozent) heizen der Erhebung zufolge noch mit Gas oder Öl. Wärmepumpen nutzen lediglich 9 Prozent der Haushalte, Holzpellets 6 Prozent. Die KfW sieht in den Zahlen einen Auftrag an die Politik, die Förderung so auszugestalten, dass nicht nur wohlhabende Haushalte von der Energiewende profitieren, sondern auch jene, die bislang aus finanziellen Gründen abseitsstehen.

Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.