Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins von 2,25 auf 2,5 Prozent angehoben. Es ist bereits die zweite Erhöhung in diesem Jahr. Der Schritt fiel um 0,25 Prozentpunkte aus und entspricht damit den Erwartungen der Finanzmärkte.

Wie die EZB mitteilte, wurden auch die beiden anderen Zinssätze angehoben. Der für Banken und Sparer besonders wichtige Einlagenzins steigt ebenfalls von 2,25 auf 2,5 Prozent. Damit setzt die Notenbank ihren Kurs der vorsichtigen geldpolitischen Straffung fort.

Als Begründung für den Schritt nennt die EZB die anhaltend hohe Inflation. Die Teuerungsrate liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert der Notenbank. Besonders die stark gestiegenen Energiepreise setzen Verbraucher und Unternehmen unter Druck. Ein Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hat die Inflation zusätzlich angeheizt und die Kaufkraft der Haushalte geschwächt.

An den Märkten wächst bereits die Erwartung, dass dies nicht der letzte Schritt gewesen sein könnte. Sollte sich der Inflationsdruck nicht abschwächen, dürfte die EZB zu weiteren Erhöhungen bereit sein. Die Notenbanker signalisierten mit ihrem Beschluss, dass sie entschlossen sind, die Teuerung einzudämmen, ohne die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Südbaden und der Region Waldshut bedeutet der höhere Leitzins vor allem teurere Kredite. Baufinanzierungen und Ratenkredite werden sich weiter verteuern. Gleichzeitig steigen die Zinsen für Sparkonten und Tagesgeld, was Sparerinnen und Sparern nach Jahren der Nullzinsphase wieder etwas mehr Rendite bringt.

Für Unternehmen in der Region, insbesondere im Mittelstand, erhöhen sich die Finanzierungskosten. Investitionen könnten dadurch zurückhaltender geplant werden. Die Bauwirtschaft, die bereits unter gestiegenen Materialkosten leidet, dürfte die Zinserhöhung besonders zu spüren bekommen.

Die EZB steht vor der schwierigen Aufgabe, die Inflation zu bekämpfen und gleichzeitig die Konjunktur zu stützen. Der jüngste Schritt fällt moderat aus, was darauf hindeutet, dass die Notenbank behutsam vorgehen will. Ob weitere Erhöhungen folgen, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Energiepreise und der Inflation in den kommenden Monaten ab.

Theresa Jungmann

Autor

Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.