Bei russischen Angriffen auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk sind mindestens 16 Menschen verletzt worden. Wie der Militärgouverneur des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mitteilte, wurde die frontnahe Stadt viermal beschossen. Die Einschläge ereigneten sich in einem Wohngebiet und in der Nähe von Schulen. Filaschkin forderte die verbliebenen Einwohner erneut zur Flucht auf. Die Frontlinie ist nur etwas mehr als zwölf Kilometer von Kramatorsk entfernt.
In der nordukrainischen Stadt Sumy wurden bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum nach Angaben des regionalen Gouverneurs Oleh Hryhorow zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Vier der Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand, teilte Hryhorow auf Telegram mit. Unter den Verletzten seien auch drei Teenager. Auf Fotos, die der Gouverneur veröffentlichte, sind ein schwerbeschädigtes Gebäude und verstreute Trümmer zu sehen. Die Rettungskräfte sind laut Hryhorow weiter im Einsatz. Die an Russland grenzende Region ist wiederholt Ziel schwerer Angriffe. Moskau will dort nach eigenen Angaben eine Pufferzone einrichten.
Unterdessen wurde in der russischen Schwarzmeer-Metropole Sotschi nach Angaben lokaler Behörden ein Hafen von einer ukrainischen Seedrohne getroffen. Der Angriff ereignete sich am 9. September und löste einen Brand auf einer Hafenuferanlage aus. Die russischen Regionalbehörden in der Region Krasnodar berichteten, ein unbemanntes Überwasserschiff aus der Ukraine habe den Hafenbereich getroffen. Infolge des Einschlags sei auf einer Kaimauer ein Feuer ausgebrochen, das Infrastruktur beschädigt habe. Nach offiziellen Angaben wurden acht Menschen verletzt. Sotschi gilt als Russlands «zweite Hauptstadt» und beherbergt die offizielle Sommerresidenz von Präsident Wladimir Putin. Die Stadt am Schwarzen Meer ist ein bevorzugter Winterferienort der russischen Elite und liegt rund 650 bis 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Die ukrainischen Streitkräfte haben Medienberichten zufolge zudem ein weit entferntes Ziel in Russland mit Drohnen angegriffen und möglicherweise beschädigt. Nach Darstellung ukrainischer Medien wurde in Nowy Urengoj im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen im Norden Westsibiriens eine Gas-Kondensationsanlage angegriffen. Über das Ausmaß der Schäden lagen keine offiziell bestätigten Angaben vor. Der Gouverneur des Kreises, Dmitri Artjuchow, bestätigte den Angriff der Kampfdrohnen und sprach von einem Brand, der durch herabstürzende Trümmer verursacht worden sei. Nowy Urengoj ist über 3.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Das angegriffene Unternehmen gilt als eine der wichtigsten Einrichtungen der Gas-Infrastruktur der Region. Die Ukraine greift seit einiger Zeit Industrie- und Rüstungsbetriebe sowie Raffinerien auf russischem Staatsgebiet an, um das russische Militär zu schwächen. Zuletzt wurden in der Ukraine weitreichende Kampfdrohnen entwickelt, die Ziele in mehreren Tausend Kilometern Entfernung angreifen können.
US-Präsident Donald Trump zufolge will der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine durch ein Abkommen beenden. Er habe ein großartiges Telefonat mit Putin geführt, sagte Trump vor Journalisten. Wenn auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj eine Einigung wolle, wäre das «sehr schön». Das Hindernis sei jedoch, dass die beiden einander hassten. Trump hatte nach der Rückkehr von US-Unterhändlern aus Moskau und Kiew mit Putin telefoniert. CIA-Direktor John Ratcliffe bereitet sich einem Medienbericht zufolge auf eine größere Rolle bei den Verhandlungen der USA mit Russland und der Ukraine vor. Dies berichtet die Zeitung «Financial Times» unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, die ihre europäischen Kollegen darüber unterrichtet hätten. Zugleich erwäge die US-Regierung, den Einsatz der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zurückzufahren, heißt es unter Berufung auf Insider.
Das Flugzeug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist nach Angaben des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre auf dem Weg nach Oslo beinahe von einer Drohne getroffen worden. Zu dem Vorfall sei es gekommen, als Selenskyj am frühen Dienstagabend von Moldau in die norwegische Hauptstadt reiste, um an den Trauerfeierlichkeiten für den gestorbenen König Harald V. teilzunehmen. «Das ist die Realität, in der er sich befindet», sagte Støre dem Sender NRK zufolge. Die ukrainischen Behörden und Selenskyj selbst äußerten sich bislang nicht zu dem Vorfall, und auch Støre machte keine weiteren Angaben. Bei einem Treffen am Mittwochmorgen habe Selenskyj ihm berichtet, dass er keine gute Nacht gehabt habe, sagte Støre und sprach von einer «dramatischen Situation». Der Ukrainer habe am Telefon gesessen und Nachrichten über Raketeneinschläge in seiner Heimat entgegennehmen müssen. Nach Angaben der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) flog am Dienstag etwa eine Stunde lang eine russische Drohne im moldauischen und rumänischen Luftraum. Die Verteidigungsministerien in Moldau und Rumänien berichteten darüber.

