Die Deutsche Bahn wird die Generalsanierung ihrer wichtigsten Schienenkorridore langsamer vorantreiben als bislang geplant. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte an, dass statt vier künftig nur noch zwei, maximal drei Strecken pro Jahr umfassend saniert werden sollen. Das überarbeitete Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle in Kürze vorgestellt werden, sagte Palla. Genaue Jahreszahlen für den neuen Zeitplan nannte sie zunächst nicht.
Mit der Entscheidung reagiert die Bahnchefin auf die wachsende Kritik an der Belastung des Schienennetzes durch die vielen Großbaustellen. Die gleichzeitige Sanierung mehrerer wichtiger Korridore hatte in den vergangenen Monaten immer wieder zu erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr geführt. Palla erklärte, die Zahl der Großbaustellen müsse an die verfügbaren Geldmittel und die vorhandene Netzkapazität angepasst werden. Vier Generalsanierungen pro Jahr seien zu viel gewesen, so die Bahnchefin.
Die Korridorsanierungen gelten als zentraler Bestandteil der Bemühungen, die marode Infrastruktur der Deutschen Bahn zu modernisieren. Bei einer Generalsanierung werden komplette Streckenabschnitte für Monate gesperrt, um Gleise, Weichen, Signaltechnik und Bahnhöfe grundlegend zu erneuern. Der ursprüngliche Plan sah vor, jährlich vier hochbelastete Korridore auf diese Weise zu ertüchtigen. Nach Einschätzung von Branchenkennern hat sich dieses Tempo jedoch als nicht durchhaltbar erwiesen, weil Personal, Material und finanzielle Mittel nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen.
Evelyn Palla ist seit rund einem Jahr Chefin der Deutschen Bahn. In dieser Zeit hat sie nach eigenen Angaben neue Entwicklungen angestoßen, musste aber einräumen, dass die Sanierung der Infrastruktur mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als ursprünglich veranschlagt. Die Verlangsamung dürfte Auswirkungen auf den gesamten Zeitplan haben, mit dem die Bahn ihre Strecken wieder in einen zuverlässigen Zustand bringen will. Für Fahrgäste bedeutet die Anpassung, dass sich die Einschränkungen durch Bauarbeiten auf einzelnen Strecken über einen längeren Zeitraum erstrecken werden, auch wenn die gleichzeitige Belastung an anderer Stelle möglicherweise abnimmt.
Die Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium läuft. Beobachter rechnen damit, dass die genauen Eckpunkte des überarbeiteten Konzepts in den kommenden Wochen präsentiert werden. Offen ist bislang, welche Korridore wann saniert werden und wie sich die Verschiebung auf die Finanzplanung des Unternehmens auswirkt. Klar ist, dass die Deutsche Bahn mit der Drosselung des Tempos auf die Realität reagiert: Die Sanierung des Schienennetzes wird länger dauern als geplant.

