Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen rund 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Das vereinbarten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Staatspräsident der Emirate, Scheich Mohammed bin Sajid, bei einem Treffen in Berlin. Gleichzeitig erhält die Fluggesellschaft Emirates die Genehmigung, künftig den Hauptstadtflughafen BER anzufliegen. Für die Lufthansa bedeutet dies neue Konkurrenz auf der Langstrecke.

Der Staatsbesuch des Emirats-Präsidenten begann am Vormittag mit militärischen Ehren durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Am Nachmittag folgte das Gespräch mit Bundeskanzler Merz, bei dem mehrere Abkommen unterzeichnet werden sollten. Beide Seiten machten vorab deutlich, dass sie die Visite nutzen wollen, um die seit über zwei Jahrzehnten bestehende strategische Partnerschaft neu zu beleben und auf eine höhere Stufe zu heben.

Die geplante Investitionssumme von 40 Milliarden Euro mehr als verdoppelt das bisherige Engagement der Emirate in Deutschland. Nach Angaben der Bundesregierung belaufen sich die bereits getätigten Investitionen auf rund 34 Milliarden Euro. Ein Teil der neuen Mittel ist für den Aufbau neuer Rechenzentren vorgesehen, wie aus einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hervorgeht. Zudem vereinbarten beide Länder die Gründung eines deutsch-emiratischen Investitionsrats, der sich mit Wirtschaft, Energie und Umwelt befassen soll.

Der Industrieminister der VAE und Chef des staatlichen Ölkonzerns ADNOC, Sultan Al Dschaber, bezeichnete Deutschland als «wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Partner». Die zusätzlichen Investitionen unterstrichen die Absicht, diese Beziehung weiter auszubauen. «Aufbauend auf den bereits in Deutschland getätigten Investitionen der VAE in Höhe von 34 Milliarden Euro werden wir jene Industriezweige, Technologien und qualifizierten Arbeitsplätze fördern, die künftiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben», sagte Al Dschaber.

Für Deutschland bedeuten die Zusagen langfristige Investitionen in industrielle Kapazitäten, Innovationen und qualifizierte Beschäftigung. Sie sollen die Energiesicherheit und Lieferketten stärken und deutsche Unternehmen dabei unterstützen, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Den Emiraten eröffnen sich im Gegenzug Möglichkeiten für gemeinsame Investitionen mit führenden deutschen Industrie- und Technologieunternehmen. Dadurch sollen Kompetenzen in strategischen Sektoren vertieft und Unternehmen aufgebaut werden, die Wachstumsmärkte in der Golfregion, in Asien und in Afrika bedienen können.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für Deutschland der wichtigste Handelspartner am Golf. Im vergangenen Jahr erreichte der bilaterale Handel ein Volumen von gut 13 Milliarden Euro. Deutschland exportierte Waren im Wert von rund 11 Milliarden Euro, die Importe lagen bei rund 2 Milliarden Euro. Deutsche Investitionen fließen vor allem in technologie- und investitionsgüterorientierte Produkte wie Maschinen und chemische Erzeugnisse. Der Handel wird jedoch teilweise noch durch Importzölle sowie Import- und Exportrestriktionen gebremst. Die Bundesregierung unterstützt daher die laufenden Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Emiraten über ein Freihandelsabkommen.

Neben den wirtschaftlichen Vereinbarungen rückt die neue Flugverbindung in den Fokus. Emirates darf künftig Berlin anfliegen, was den Wettbewerb im deutschen Luftverkehr verschärft. Bislang war die Lufthansa auf vielen Strecken zwischen Deutschland und den Golfstaaten dominierend. Die Genehmigung für Emirates nach Berlin wird als Triumph für die Airline und als Herausforderung für die deutsche Fluggesellschaft gewertet.

Der Staatsbesuch wird an diesem Freitag fortgesetzt. Scheich Mohammed reist weiter nach München, wo er am Vormittag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) empfangen wird. Gegen Mittag nimmt er auf Einladung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an einem Wirtschaftsforum teil. Bereits am Donnerstagabend war ein Staatsbankett vorgesehen.

Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.