Die Zahl der irregulären Grenzübertritte an den Außengrenzen der Europäischen Union ist in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres deutlich zurückgegangen. Wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex in Warschau mitteilte, registrierte sie mehr als 74.000 unerlaubte Einreisen. Das entspricht einem Rückgang von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Rückgang sei auf fast allen wichtigen Migrationsrouten zu beobachten und resultiere aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Partnerländern sowie aus Präventivmaßnahmen in den wichtigsten Herkunftsländern der Migranten, erklärte Frontex. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner wertete die Entwicklung als Beleg für die Wirksamkeit der europäischen Migrationspolitik. «Die europäische Migrationswende wirkt – die Zahlen sprechen für sich. Seit 14 Monaten gehen die illegalen Grenzübertritte konstant zurück», sagte Brunner. Die EU müsse nun dranbleiben, die Außengrenzen weiter stärken und die Fortschritte fest verankern.

Allerdings räumte Frontex ein, dass die genannten Zahlen die «großangelegte Migrationsbewegung» von Marokko in die spanische Exklave Ceuta Ende Juli nicht widerspiegeln. Eine endgültige Gesamtzahl lasse sich wahrscheinlich nicht ermitteln, da die meisten Grenzüberquerer nach Marokko zurückgekehrt seien, bevor sie registriert wurden. Nach Angaben der spanischen Regierung waren zeitweise rund 80.000 Menschen in die Exklave gelangt. Marokko selbst hatte die Zahl der Ankünfte mit rund 40.000 angegeben. 83 Menschen kamen beim Versuch, nach Ceuta zu gelangen, ums Leben. Der Vorfall löste eine Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen und die Verantwortung Spaniens aus.

Aus Frontex-Kreisen hieß es, die Situation an den EU-Außengrenzen sei während des Sommers insgesamt ruhig gewesen. Ceuta habe jedoch deutlich gemacht, dass sich eine ruhige Grenzlage innerhalb weniger Stunden ändern könne. Schleusernetzwerke würden nicht verschwinden, wenn die Zahlen zurückgingen. Die Menschenschmuggler warteten vielmehr auf die nächste Gelegenheit, um diese voll zu nutzen. Genau in diesem Moment müsse Frontex bereit sein.

Die Hauptfluchtrouten führen nach den Frontex-Daten weiterhin über das Mittelmeer. Die Route über das östliche Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland sowie die über das zentrale Mittelmeer von Libyen und Tunesien nach Italien und Malta machten insgesamt fast 60 Prozent der registrierten irregulären Einreisen aus. Während es auf beiden Strecken einen deutlichen Rückgang gab, stellte die Grenzschutzbehörde auf der Migrationsroute über das westliche Mittelmeer nach Spanien einen Anstieg von 34 Prozent fest.

Die aktuellen Zahlen dürften auch die Diskussion über die europäische Migrationspolitik weiter prägen. Während die EU-Kommission den Rückgang als Erfolg ihrer Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern wertet, verweisen Kritiker auf die anhaltenden Gefahren für Migranten und die ungelösten Fragen des Grenzschutzes. Der Vorfall von Ceuta steht dabei beispielhaft für die Volatilität der Lage: Selbst wenn die registrierten Übertritte insgesamt sinken, können unvorhergesehene Ereignisse die Situation an einzelnen Grenzabschnitten binnen kürzester Zeit verändern.

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.