Ein unbemannter Flugkörper hat am Mittwoch im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta einen US-amerikanischen Gastanker getroffen und in Brand gesetzt. Wie die britische Sicherheitsfirma Ambrey mitteilte, geriet die schwimmende Tank- und Regasifizierungseinheit „Energos Winter“ in Flammen. Das Feuer breitete sich auf das benachbarte Schiff „Gaslog Salem“ aus. Das ägyptische Ölministerium bestätigte den Brand auf zwei Schiffen, ohne einen Drohnenangriff zu erwähnen. Die Flammen seien jedoch rasch gelöscht worden. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht.
Die „Energos Winter“ gehört dem US-Unternehmen Energos Infrastructure und wird von der ebenfalls amerikanischen Wilhelmsen Ship Management betrieben. Der Vorfall in Damietta schürt in Ägypten die Besorgnis über eine weitere Ausweitung des seit Monaten schwelenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran. In den vergangenen Tagen war die Lage durch gegenseitige Angriffe der beiden Staaten und ihrer verbündeten Milizen erneut eskaliert.
Zwei Tage vor dem Brand hatte das iranische Staatsfernsehen eine Karte mit möglichen Vergeltungszielen gezeigt, auf der auch der Hafen Damietta markiert war. Die Karte verwies auf die Kapazität des Terminals und seine Rolle für Gasexporte nach Europa. Hintergrund war ein ukrainischer Drohnenangriff auf eine russische Ölplattform im Kaspischen Meer, bei dem auch zwei Frachtschiffe getroffen wurden, die mutmaßlich an Militärtransporten zwischen Russland und dem Iran beteiligt waren. Teheran kündigte eine Reaktion an.
Unterdessen erwägt die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen die Einführung von Gebühren für die Durchfahrt von Handelsschiffen durch das Rote Meer. Der Plan betrifft die strategische Meerenge Bab al-Mandab, die den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbindet. Die Idee wurde laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen bei einem Treffen in Teheran erörtert. Chinesische Schiffe sollen von den Abgaben ausgenommen sein, da die Volksrepublik in direkten Gesprächen mit den Huthis erreicht hat, dass ihre Tanker das südliche Rote Meer ohne Angriffe passieren können. China ist der weltgrößte Abnehmer von saudischem Öl, bezieht aber auch erhebliche Mengen aus dem Iran.
Die mögliche Behinderung der Durchfahrt bei Bab al-Mandab würde Saudi-Arabien eine wichtige Alternative zur Straße von Hormus nehmen und die Furcht vor Engpässen in der Ölversorgung verstärken. Der Schiffsverkehr im Roten Meer hat sich seit Beginn der Huthi-Angriffe im November 2023 nicht vollständig erholt. Die Miliz bezeichnet ihre Aktionen als Solidaritätsakt mit den Palästinensern im Gazastreifen.
Parallel dazu haben die USA gemeinsam mit Saudi-Arabien Luftangriffe gegen eine dem Iran nahestehende „Terroristengruppe“ im Irak durchgeführt. Das US-Regionalkommando Centcom teilte mit, amerikanische und saudische Kampfflugzeuge hätten mehrere Logistik- und Waffenlager im Osten des Iraks angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf mehr als 30 von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe innerhalb von 72 Stunden gewesen. Die Angriffe auf in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen und Energieinfrastruktur seien „erfolglos“ geblieben.
Bereits am Dienstag hatte das US-Militär einen iranischen „Überraschungsangriff“ auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte gemeldet. Alle abgefeuerten ballistischen Raketen seien erfolgreich abgefangen worden. Nach wochenlangen gegenseitigen Angriffen hatte US-Präsident Donald Trump zuvor von einer „guten Chance“ auf eine Verhandlungslösung mit Teheran gesprochen. Die anhaltenden militärischen Aktionen und die Bedrohung der Handelsschifffahrt im Roten Meer belasten die globalen Energiemärkte und treiben die Versicherungsprämien für Tanker in die Höhe.
