Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich in den vergangenen Tagen dramatisch verschärft. Bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche griff das US-Militär Ziele entlang der iranischen Südküste an. Auslöser war nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom iranischer Beschuss eines Handelsschiffs in der Straße von Hormus. Die Meerenge, eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Energiehandel, steht damit erneut im Zentrum des militärischen Konflikts zwischen beiden Ländern.

In der Nacht zum Sonntag bombardierten US-Kampfjets, Drohnen und Kriegsschiffe rund 140 militärische Stellungen im Iran. Zu den Zielen gehörten Raketenstellungen, Munitionslager sowie Infrastruktur der Küstenüberwachung und Kommunikation. Insgesamt seien in dieser Woche damit mehr als 300 Ziele attackiert worden, teilte das Centcom mit. Als Begründung nannte das US-Militär die iranischen Angriffe auf die kommerzielle Schifffahrt. Die iranischen Revolutionsgarden verteidigten ihren Militäreinsatz in der Meerenge und erklärten, mehrere Schiffe hätten auf Anstiftung ausländischer Mächte eine nicht genehmigte Route befahren. Ein Containerschiff, das seine Ortungssysteme abgeschaltet habe, sei durch einen Warnschuss gestoppt worden. Die britische Seefahrtsbehörde UKMTO meldete, dass die Besatzung des betroffenen Schiffs nach einem Brand von Bord gegangen und gerettet worden sei.

Als Reaktion auf die US-Angriffe starteten die iranischen Streitkräfte Vergeltungsangriffe auf mehrere Staaten in der Region. Nach eigenen Angaben attackierten sie unter anderem einen Militärflugplatz in Jordanien mit Raketen. Im Oman wurde ein Logistikzentrum für US-Kriegsschiffe angegriffen. Zudem feuerten die regulären Streitkräfte Kamikazedrohnen auf Ziele in Kuwait und Bahrain. Die Golfstaaten meldeten ihrerseits Angriffe mit Drohnen und Raketen, gaben einige Stunden später aber teils wieder Entwarnung. US-Präsident Donald Trump erklärte die Straße von Hormus entgegen iranischer Angaben als offen für den Schiffsverkehr. Auch das Centcom betonte, die für den Handel wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße, die der Iran nicht kontrolliere.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation blieben bislang erfolglos. Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Das Abkommen beinhaltete auch die Forderung nach einer Öffnung der Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder durch neue Angriffe gebrochen wurde. Aus Sicht von Trump ist die Waffenruhe nun beendet. Die USA hatten Medienberichten zufolge ein Bekenntnis des Irans zu einer freien und sicheren Schifffahrt gefordert und Teheran dafür eine Frist bis Samstag gestellt. Die iranische Führung solle öffentlich versichern, dass die Meerenge offen sei und der Iran von Angriffen auf Handelsschiffe absehe, berichteten unter anderem das Portal Axios und das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Der Golfstaat Oman, der in dem Konflikt vermittelt, legte einen Vorschlag zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus vor. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg frei möglich sein, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Auf der nördlichen Route entlang der iranischen Küste wären demnach Genehmigungen Teherans nötig, allerdings ebenfalls keine Gebühren fällig. Die Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten zunächst ohne Durchbruch. Vertreter aus dem Iran und dem Oman hätten jedoch beschlossen, das Format auf politischer sowie technischer Ebene fortzusetzen, um zu einer gemeinsamen Verständigung über die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt in der Meerenge zu gelangen, hieß es in einer Erklärung des iranischen Außenministeriums.

Die innenpolitische Lage im Iran bleibt angespannt. Nach dem Staatsbegräbnis des Ende Februar getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei schwor die iranische Führung Vergeltung. In der Nacht zu Freitag wurde der ehemalige Religionsführer in seiner Heimatstadt Maschhad bestattet. Rache sei die Forderung des Volkes und müsse ganz gewiss erfolgen, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung, die Chameneis Sohn und Nachfolger Modschtaba zugeschrieben wurde. Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer vor mehr als vier Monaten ist Modschtaba Chamenei nicht öffentlich in Erscheinung getreten. US-Medienberichten zufolge soll er bei dem Luftangriff, bei dem sein Vater getötet wurde, schwer verletzt worden sein. Ende Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen und das Land fast 40 Tage lang aus der Luft angegriffen, wobei zahlreiche Ziele zerstört wurden.