US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj werden am Rande des bevorstehenden Nato-Gipfels in Ankara zu einem persönlichen Gespräch zusammenkommen. Die Begegnung ist für Mittwochnachmittag geplant, wie eine Regierungssprecherin mitteilte. Trump hatte zuvor am Wochenende mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin telefoniert und seine Vermittlerdienste angeboten. Das Treffen mit Selenskyj gilt als weiterer Schritt in den Bemühungen, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden.

Ein hochrangiger US-Beamter betonte vor Journalisten, dass keine der beiden Kriegsparteien nennenswerte militärische Fortschritte erziele. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten, und es gebe Angriffe beider Seiten weit ins jeweils andere Land. „Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen“, so der Beamte. Der Nato-Gipfel tagt am 7. und 8. April in Ankara. Das Bündnis will unter anderem eine Hilfe für die Ukraine bis 2027 von 140 Milliarden Euro festschreiben.

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen hat der Kreml seine Sprachregelung zur Ukraine grundlegend geändert. Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Staatschefs Wladimir Putin, nannte das militärische Eingreifen jetzt erstmals offiziell einen Krieg. „Es herrscht Krieg, ein echter Krieg“, sagte Peskow dem russischen Sender Vesti. „Wissen Sie, warum es ein Krieg ist? Weil alles als spezielle Militäroperation begann. Er dauert an, weil Kiew Berlin, Paris, Den Haag, Oslo und leider auch Washington hinter sich hat.“ Bislang hatte Moskau sein Vorgehen stets als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet.

Die russische Armee war 2022 in der Ukraine einmarschiert. Zuletzt häuften sich Berichte über Desertionen und Widerstand in der russischen Truppe. So lehnten Moskaus Soldaten laut ukrainischen Angaben eine Stationierung auf kleinen Inseln im Delta des Dnipro-Flusses ab. Die französische Zeitung „Le Monde“ zitierte am Wochenende aus Eingaben russischer Soldaten und Familien an die Regierung. In den von der Oppositions-Plattform „Echo“ geleakten Briefen wird ebenfalls massenhaft von Desertionen berichtet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat unterdessen die Marinestreitkräfte seines Landes für militärische Erfolge beim Kampf gegen Russland auf dem Schwarzen Meer gelobt. „Jedes reine Herz auf der Welt erwartet von der Ukraine nur eines – dass wir diese russischen Mistkerle besiegen“, zitierte ihn die Agentur Unian aus einer Ansprache vor Marineoffizieren und Kadetten in der Hafenstadt Odessa. Trotz geringer Mittel und fehlender Kriegsschiffe habe sich die Ukraine auf dem Schwarzen Meer behauptet. „Russland hat das Schwarze Meer verloren“, behauptete Selenskyj. Mit zahlreichen Aktionen beweise die Ukraine, „dass das Schwarze Meer und das Asowsche Meer für Russland ganz sicher kein Ort der Ruhe sein werden“.

Bei der Rekrutierung neuer Soldaten für den Einsatz in der Ukraine wirbt Russland neuerdings offenbar gezielt Studierende an. Seit Anfang des Jahres laufe eine Kampagne zur Rekrutierung junger Menschen von Universitäten und Hochschulen, berichtet die britische BBC. Dies deutet auf einen wachsenden Personalbedarf der russischen Streitkräfte hin.

In einem weiteren sicherheitspolitischen Schritt haben China und Russland angekündigt, noch im Juli ihre jährlichen gemeinsamen Militärmanöver abzuhalten. Die Marineübung „Joint Sea-2026“ werde in den Gewässern und im Luftraum vor Qingdao stattfinden, einem wichtigen Militärhafen und Badeort im Osten Chinas, teilte das Verteidigungsministerium in Peking mit. Anschließend würden einige Einheiten beider Seiten eine gemeinsame Seepatrouille in nicht näher genannten Gebieten des Pazifischen Ozeans ausführen. Die Erklärung enthielt keine Einzelheiten zum Umfang der chinesisch-russischen Manöver. Diese zielten dem Ministerium zufolge darauf ab, „gemeinsam auf sicherheitspolitische Herausforderungen“ zu reagieren.

Unterdessen haben russische Hacker einem Medienbericht zufolge die Anmeldedaten britischer Beamter gestohlen und sich Zugang zu deren E-Mail-Konten verschafft. Laut der Zeitung „Telegraph“ nutzten die Angreifer dabei eine Schwachstelle im Sicherheitssystem aus und setzten zuvor gestohlene Daten ein, um Barrieren zum Schutz kritischer Infrastruktur zu umgehen. Der am Sonntagabend noch andauernde Angriff ist demnach als „FortiBleed“ bekannt. Eine staatliche russische Beteiligung an dem Angriff ist nach Einschätzung von Sicherheitsforschern bislang nicht nachgewiesen. Laut einer Liste der kompromittierten Konten wurden Zugangsdaten von Mitarbeitern des Außenministeriums im Ausland sowie von Kommunalbeamten in ganz Großbritannien abgegriffen. Dazu gehörten etwa Konten von IT-Mitarbeitern britischer Botschafter in Thailand und auf Mauritius sowie von Mitarbeitern der zentralenglischen Grafschaft Derbyshire und des Londoner Stadtbezirks Waltham Forest. In Dark-Web-Foren würden die Zugangsdaten zum Verkauf angeboten, darunter auch Anmeldedaten für den nationalen Gesundheitsdienst NHS, Energieversorger sowie wichtige Arzneimittellieferanten im ganzen Land.

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.