Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben am Dienstag mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert. Im Mittelpunkt stand der Krieg gegen die Ukraine. Das Gespräch löste in Europa Irritationen aus, Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einem Alleingang.

Das Telefonat dauerte nach Angaben Støres rund 90 Minuten. Es war zuvor von keiner Seite öffentlich angekündigt worden. Die beiden Politiker erklärten in Helsinki, Ziel des Gesprächs sei es gewesen, Putin direkt Botschaften zu künftigen Verhandlungen zu übermitteln, die zur Beendigung des Krieges beitragen sollen. Støre betonte nach dem Gespräch, die beiden hätten für ihre Länder gesprochen und für niemanden sonst. Die Partner und Verbündeten seien vorab informiert und im Anschluss detailliert unterrichtet worden, berichtete die Nachrichtenagentur NTB.

Støre räumte zugleich ein, dass es der Europäischen Union in den vergangenen vier Jahren an einer einheitlichen Botschaft und einem gemeinsamen Vorgehen gefehlt habe. Das sei eine Herausforderung. Aus Dänemark kam dagegen deutliche Kritik. Frederiksen sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden wolle. Sie sagte: „Ich finde, Europa sollte zusammenhalten, statt Alleingänge zu unternehmen.“ Sie wisse nicht, was die beiden erreichen wollten, und warnte davor, Putin mehr Spielraum zu geben, seinen hybriden Krieg gegen Europa auszuweiten.

Auch aus Schweden kam Skepsis. Ministerpräsident Ulf Kristersson sagte der Tageszeitung „Dagens Nyheter“: „Mein Eindruck ist, dass sich alle Frieden wünschen, außer Putin selbst. Ich habe ziemlich niedrige Erwartungen an diese Art von Gesprächen.“ Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk teilte laut BBC mit, Stubb habe ihm berichtet, Europa betrachte die bevorstehenden Gespräche in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit verhaltenem Optimismus.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas äußerte sich nicht direkt zu der finnisch-norwegischen Initiative. Sie erklärte am Dienstag, es gebe neue diplomatische Bemühungen um Frieden in der Ukraine, doch Putins Handlungen sprächen eine andere Sprache. In den vergangenen Tagen habe Russland erneut heftige Angriffe auf Kiew gestartet und zivile Schiffe im Schwarzen Meer versenkt. Es gebe kaum Hoffnung auf einen baldigen Frieden in der Ukraine.

Die Initiative hat einen Vorlauf. Stubb und Støre hatten in der Vorwoche in Oslo den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den US-Vermittler Steve Witkoff getroffen. Witkoff führte anschließend Gespräche mit Putin, bei denen eine Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russen, Ukrainern und Amerikanern vereinbart wurde. Der Kreml zeigte sich danach offen für eine Einbeziehung der Europäer, die Kiew mit Waffen und Milliardenhilfen unterstützen.

Die Europäer stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen einerseits ihre Ukraine-Unterstützung koordinieren und andererseits verhindern, dass einzelne Staaten direkte Kontakte zum Kreml knüpfen, ohne die übrigen Partner einzubinden. Ob das Telefonat zu einer Annäherung führt, bleibt nach den bisherigen Reaktionen offen.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.