Abdul El-Sayed will für die Demokraten der nächste Senator von Michigan werden. Der 41-jährige Politiker tritt bei den Zwischenwahlen in einer Woche an, und sein Ergebnis könnte für die Partei weit über diese Wahl hinaus Folgen haben. Gewinnt oder verliert er, dürfte das mitentscheiden, ob die Demokraten die Mehrheit im Senat von den Republikanern zurückgewinnen können.

El-Sayed hatte früh erkannt, dass es bei dieser Wahl um mehr als einen Sitz geht. Jeder Präsidentschaftskandidat verfolge, was in Michigan passiere, mit größter Aufmerksamkeit, sagte er dem Magazin «Mother Jones» Anfang August. Wenige Tage nach diesem Interview gewann er die Vorwahl seiner Partei in seinem Heimatbundesstaat und setzte sich dabei gegen die politisch etabliertere Kongressabgeordnete Haley Stevens durch. Auch andere etablierte Demokraten haben zuletzt gegen jüngere, linksorientierte Herausforderer verloren.

Die Wahl gilt damit als Testfall für die Richtung der gesamten Partei. Es geht um die Frage, wo die Demokraten ihre größten Erfolgschancen sehen: in einem Kurs der politischen Mitte oder deutlich weiter links. Michigan werde so zum politischen Testlabor, heißt es in der Analyse.

Der Aufschwung des linken Flügels hat einen längeren Vorlauf. Senator Bernie Sanders aus Vermont, der sich selbst als demokratischer Sozialist bezeichnet, wurde in den Vorwahlen 2016 bekannt. Er unterlag zwar Hillary Clinton, gewann aber deutlich mehr Stimmen als erwartet. Später erhielt auch die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York große Aufmerksamkeit, die 2019 in das Repräsentantenhaus einzog. In New York wurde im vergangenen Jahr mit Zohran Mamdani ein demokratischer Sozialist ohne große politische Vorerfahrung zum Bürgermeister gewählt.

El-Sayed bezeichnet sich selbst als Kapitalisten, nicht als Sozialisten. In vielen politischen Positionen gibt es aber Überschneidungen mit dem linken Lager. Seine Wahlkampagne steht unter drei Slogans: «Geld raus aus der Politik, Geld rein in eure Taschen, medizinische Versorgung für alle». Der Arzt will unter anderem Wahlkampfspenden von Unternehmen verbieten, die bislang nahezu unbegrenzt möglich sind, und die Ausgaben für Wahlwerbung deckeln. Zudem möchte er Milliardäre stärker besteuern und die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE abschaffen.

Ähnlichkeiten zu Mamdani gibt es auch beim Hintergrund: Beide sind Muslime und Kinder von Einwanderern. El-Sayed wurde nahe Detroit geboren, seine Familie stammt aus Ägypten. Mamdani wurde in Uganda geboren und ist der erste muslimische Bürgermeister New Yorks. El-Sayed wäre der erste muslimische Senator der USA. Wie Mamdani setzt er sich im Nahostkonflikt stark für die Palästinenser ein. Er wirft Israel einen Völkermord vor und fordert die US-Regierung auf, die Unterstützung des Landes einzustellen. Die Frage, ob Israel als jüdischer Staat ein Existenzrecht hat, beantwortet er nicht eindeutig.

Von republikanischer Seite wird El-Sayed deshalb scharf kritisiert. US-Präsident Donald Trump sagte am vergangenen Wochenende auf einer Wahlkampfveranstaltung, jede jüdische Person, die diesen Politiker unterstütze, sollte sich schämen. Trump behauptete außerdem, bei einem Sieg El-Sayeds kämen «Horden von Dschihadisten» an die Küsten der USA. Dem Demokraten wird vorgeworfen, Mitglied der Muslimbruderschaft zu sein oder Kontakte ins islamistische Milieu zu haben.

Hintergrund ist unter anderem ein offener Brief, den El-Sayed als Student mitunterzeichnet haben soll. Darin wurde der damalige ägyptische Präsident Mohammed Mursi aufgefordert, die Medien und die Polizei der im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzten Diktatur schnellstmöglich zu säubern. Mursi war Teil des politischen Arms der Muslimbruderschaft, aus der unter anderem die Terrorgruppe Hamas hervorging. Ein weiterer Vorwurf richtet sich gegen die Mutter des Politikers, die in den USA für eine Hilfsorganisation tätig war, die Berichten zufolge Geld für das Terrornetzwerk al-Qaida gesammelt haben soll. Sie beteuert, von diesen Kontakten keine Kenntnis gehabt zu haben.

El-Sayed weist alle Anschuldigungen zurück. Geschadet haben sie ihm bislang nicht: Umfragen sehen ihn in Michigan im Rennen um den Senatssitz.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.