Die Demokraten in den USA hoffen bei den Parlamentswahlen auf ein deutliches Comeback. Das Ziel ist ein Sieg, der so klar ausfällt, dass ihn auch Donald Trump nicht kleinreden kann. Nach der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren, bei der Kamala Harris gegen Trump unterlag, galt die Partei als angeschlagen, orientierungslos und zerstritten.
Gelingt es den Demokraten, in einer sogenannten blauen Welle die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat zurückzugewinnen, könnten sie dem Präsidenten die verbleibende Amtszeit deutlich erschweren. Zugleich würden sich ihre Chancen für die nächste Präsidentschaftswahl verbessern. Eigentlich spielt vieles für die Opposition: Trumps Zustimmungswerte sind niedrig, der Krieg mit dem Iran und hohe Energiepreise bestimmen die Debatte. Doch die Demokraten sind zugleich stark mit sich selbst beschäftigt.
Ein zentrales Problem ist das Fehlen einer einenden Galionsfigur. Seit der Niederlage 2024 gibt es niemanden, der das Potenzial hat, Trump die Stirn zu bieten oder ihn zu überstrahlen. Früher galt Barack Obama in dieser Rolle als Hoffnungsträger, eine vergleichbare Figur ist bislang nicht in Sicht. Kritiker bemängeln einem Teil der Parteispitze Charisma, anderen fehlende Bekanntheit oder Durchschlagskraft im ganzen Land. Zwar gibt es prominente Köpfe in Senat, Kongress und Gouverneursämtern, doch niemand hat sich klar an die Spitze gesetzt. Die Republikaner scharen sich dagegen seit Jahren mehrheitlich hinter Trump. Die Demokraten müssen zudem bereits an die Präsidentschaftswahl 2028 denken, denn nach den Midterms beginnt traditionell der Wahlkampf.
Hinzu kommt eine fehlende Einigkeit über die politische Ausrichtung. Wegen der Struktur des US-Parteiensystems müssen Demokraten und Republikaner als große Bewegungen viele unterschiedliche Interessen bündeln. Die Politologin und USA-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook sieht die Demokraten hier im Nachteil gegenüber der Maga-Bewegung um Trump, die weite Teile der Republikaner abdeckt. Maga steht für «Make America Great Again». Trotz interner Konflikte gelinge es der Bewegung, sich dem Hauptziel einer absoluten exekutiven Kontrolle unterzuordnen. Ein einendes Ziel fehle den Demokraten dagegen weiterhin, sagte Clüver Ashbrook der Deutschen Presse-Agentur.
Innerhalb der Partei gibt es unterschiedliche Linien. Moderatere Vertreter wie Jon Ossoff aus Georgia und James Talarico aus Texas versuchen, Wähler mit pragmatischen Themen zu überzeugen, etwa mit geringeren Wohn- und Lebenshaltungskosten und einer gerechteren Steuerlast. Der linke Flügel setzt dagegen auf weitreichendere Reformen. Vertreter der Democratic Socialists of America fordern unter anderem eine allgemeine Krankenversicherung, Investitionen in den Klimaschutz und den vollständigen Erlass von Studiengebühren. Radikal wirkende Positionen können allerdings Wähler abschrecken. Trump bezeichnet die Gegner als «Kommunisten» und hat den Kampf gegen eine angeblich radikale Linke zum Wahlkampfthema gemacht.
Eine Auswertung der Denkfabrik Brookings Institution auf Basis der parteiinternen Vorwahlen zeigt, dass sich sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern eher gemäßigte Kandidaten durchsetzten. Bei den linken Demokraten schaffte nicht einmal ein Fünftel aller Kandidaten die Vorwahl, und nur einer von fünf DSA-Kandidaten gewann sein Rennen. Die Reaktionen der Wähler fallen unterschiedlich aus: In Wisconsin unterlag die linke Kandidatin Francesca Hong bei der Vorwahl für das Gouverneursamt dem moderateren David Crowley, obwohl sie als Hoffnungsträgerin galt. Kritiker führen dies auch auf ihre dezidiert linke Politik und umstrittene Äußerungen zurück. In Michigan setzte sich dagegen der linke Demokrat und gläubige Muslim Abdul El-Sayed durch. Er will in den Senat einziehen, eine allgemeine Gesundheitsversorgung vorantreiben, Konzernspenden in der Politik verbieten und die Einwanderungsbehörde ICE abschaffen. Trump hatte ihn im Wahlkampf als «Dschihadisten» verunglimpft.
Auch Geld ist ein entscheidender Faktor. Fernsehwerbung, aufwendige Auftritte und gezielte Social-Media-Kampagnen kosten viel, und beide Parteien warben in den vergangenen Wochen nahezu täglich um Spenden. Für die Demokraten bleibt das Thema schwierig. Die Dachorganisation Democratic National Committee kämpft laut Medienberichten seit Längerem mit Geldproblemen. Die «New York Times» berichtete im Sommer, die Parteizentrale in Washington sei so knapp bei Kasse, dass sie Dienstleister gebeten habe, Rechnungen erst nach den Zwischenwahlen zu stellen.
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