Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist erst gut die Hälfte der Todesopfer identifiziert. Alle 69 geborgenen Leichen wurden inzwischen am Gerichtsmedizinischen Institut in der Provinzhauptstadt Toledo südlich von Madrid obduziert. In 36 Fällen konnte die Identität zweifelsfrei geklärt werden. Die Familien von 27 Todesopfern wurden benachrichtigt, wie die Behörden der Region Kastilien-La Mancha mitteilten.

Die Behörden baten Angehörige der Vermissten, DNA-Proben zur Verfügung zu stellen, um die Identifizierung zu beschleunigen. Rund 50 Verwandte und Freunde warten weiterhin in einem Betreuungszentrum in Toledo auf Nachrichten über das Schicksal ihrer Lieben. Dort kümmern sich knapp 30 Psychologen um sie, wie die Zeitung «El País» und weitere Medien berichteten. Auch die Behörden in den Zeitungsberichten bestätigten die Zahl der Todesopfer, die Identifizierung dauert an. Unklar ist weiterhin, ob sich unter den Toten oder Verletzten Deutsche befinden.

Von den rund 200 Verletzten werden noch 34 in vier Krankenhäusern behandelt, 15 davon auf Intensivstationen. Der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, sagte, ihr Zustand entwickle sich «relativ gut».

Beim Unglück waren am Mittwoch zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beide Richtungen gesperrt.

In der Gemeinde Urda kamen am Samstag Angehörige, Anwohner und hochrangige Lokalpolitiker in und um die Kirche San Juan Bautista zu einem Gedenkgottesdienst zusammen. Viele waren in Tränen aufgelöst. Der Erzbischof von Toledo, Francisco Cerro, sprach von einem «Karfreitag für uns alle» und sicherte den Familien die Unterstützung aller zu. Der Bürgermeister von Urda, Manuel Galán, sagte im spanischen Fernsehen, die rund 2500 Einwohner zählende Gemeinde leide besonders. Es bestehe ein «großer Bedarf an Unterstützung».

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid. Von Medien veröffentlichte Funkmitschnitte legen nahe, dass der Lokführer des Renfe-Zuges von einem Mitarbeiter der Leitstelle angewiesen wurde, den normalen Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das LZB-System noch außer Betrieb war und der andere Zug noch auf der Strecke stand.

Verkehrsminister Óscar Puente wies Kritik an der Sicherheit des Bahnsystems zurück und schloss einen Rücktritt aus, den mehrere Oppositionsparteien gefordert hatten. Er soll sich am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss äußern. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte Investitionen an, um die Sicherheit des Bahnnetzes zu verstärken. Die Regierung werde die Ursachen aufklären und Lösungen vorlegen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederhole.

Das Unglück ist das zweite schwere Bahnunglück in Spanien in diesem Jahr. Im Januar kamen auf derselben Trasse zwischen Madrid und Sevilla 46 Menschen ums Leben, als ebenfalls zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidierten. Die erneute Katastrophe trifft die linksgerichtete Regierung in einer heiklen Phase, denn am 29. November finden vorgezogene Parlamentswahlen statt.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.