Russische Streitkräfte haben einen wichtigen ukrainischen Grenzübergang nach Polen angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Moskau bei der jüngsten Angriffswelle 453 Drohnen sowie mehrere Flugkörper ein. Landesweit meldeten regionale Behörden mindestens sechs getötete und 43 verletzte Zivilisten. Besonders stark betroffen waren mehrere Regionen im Westen der Ukraine.
Nahe dem Grenzübergang Jahodyn traf eine russische Drohne die Lokomotive des Kiew-Warschau-Zugs. Der Zug befand sich nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn rund zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die Passagiere blieben unverletzt. In mehreren grenznahen Landkreisen Polens wurde Luftalarm ausgelöst. Unter den Betroffenen war auch ein enger Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz, wie aus Berichten hervorgeht.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, 405 Drohnen und sechs Flugkörper abgefangen zu haben. Einschläge wurden an 13 Orten registriert. In den Regionen Wolhynien, Iwano-Frankiwsk und Ternopil wurden Menschen verletzt, in Riwne und Mykolajiw fiel teilweise der Strom aus. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Seit dem Sommer attackiert Russland gezielt ukrainische Grenzposten Richtung Westen. Der jüngste Angriff auf den Übergang nach Polen fügt sich in diese Kampagne ein, die offenbar darauf abzielt, die westlichen Verbindungen der Ukraine zu stören. Polen ist ein wichtiger Verbündeter Kiews und logistischer Knotenpunkt für westliche Hilfslieferungen.
Unterdessen schließt der Kreml neue Gespräche im Oktober nicht aus. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Sonntag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen, man schließe eine solche Möglichkeit nicht aus. Dies betreffe auch den Monat Oktober und die «absehbare Zukunft». Schon Anfang der Woche hatte sich Russland offen für eine Wiederaufnahme gemeinsamer Gespräche mit der Ukraine und den USA gezeigt. Es sei aber noch zu früh, über einen möglichen Ort oder genaue Termine zu sprechen, hatte Peskow am Montag gesagt. Die beiden US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff waren zuvor nach Russland und in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen.
China und Indien bieten nach russischen Angaben ihre Vermittlung für Friedensgespräche zur Ukraine an. Der russische Präsident Wladimir Putin begrüße diese Bereitschaft, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Kremlsprecher Peskow. Die drei Politiker nehmen am Wochenende am Brics-Gipfel in Delhi teil.
In der russischen Teilrepublik Tatarstan wurden unterdessen zwei Menschen durch einen ukrainischen Drohnenangriff getötet. Eine Drohne stürzte in einen Baum und beschädigte ein nahe stehendes Auto mit vier Insassen, wie der Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, mitteilte. Zwei Insassen starben, die anderen beiden wurden schwer verletzt. Vier weitere Menschen wurden verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrie- und zivile Objekte wurden beschädigt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Europäische Union dafür, dass sie bislang keine Einigung über eine Verlängerung der Sanktionen gegen russische Oligarchen und Unternehmen erzielt hat. Er bezeichnete dies als «unmoralisch und selbstzerstörerisch». Die EU hat bis zum 15. September Zeit, ihre Sanktionen gegen mehr als 3.000 überwiegend russische Einrichtungen und Einzelpersonen zu verlängern, scheiterte jedoch erneut an einer Zustimmung. Die Slowakei blockiert die Einigung, indem sie weiterhin die Aufhebung der Sanktionen gegen die russischen Oligarchen Michail Fridman und Alischer Usmanow fordert.

