Die russische Region Irkutsk hat eine neue Rekordprämie für die Anwerbung ausländischer Soldaten eingeführt. Gouverneur Igor Kobsew unterzeichnete am 10. September einen Erlass, wonach künftig 1,5 Millionen Rubel – umgerechnet etwa 15.300 Euro – an jeden gezahlt werden, der einen Ausländer oder Staatenlosen für einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium gewinnt. Das Geld erhält der Vermittler, nicht der Rekrut selbst. Nach Recherchen des unabhängigen Mediums «Vyorstka» handelt es sich um die höchste derartige Anwerbeprämie einer russischen Region.
Die Summe bedeutet eine drastische Erhöhung: Noch im April lag die Prämie bei höchstens 400.000 Rubel, also rund 4.100 Euro. Innerhalb weniger Monate hat sich der Betrag damit fast vervierfacht. Die Region Irkutsk in Sibirien setzt mit dieser Maßnahme offenbar verstärkt auf die Rekrutierung von Ausländern, um den Bedarf an Soldaten für den Krieg gegen die Ukraine zu decken.
Menschenrechtsorganisationen sehen die Praxis mit großer Sorge. Amnesty International berichtete zuletzt, dass Ausländer teils mit vermeintlichen zivilen Arbeitsstellen, hohen Gehältern oder der Aussicht auf die russische Staatsbürgerschaft angeworben worden seien. Solche Praktiken können nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation in vielen Fällen Menschenhandel darstellen. Die neuen Rekordprämien könnten diesen Druck auf ausländische Arbeitskräfte weiter erhöhen.
Unterdessen laufen die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges weiter. Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, kündigte an, dass die Ukraine eine Fortsetzung der Verhandlungen über eine Friedenslösung mit Russland und unter Vermittlung der USA im kommenden Monat erwartet. «Wir bereiten uns vor, auf Oktober», sagte Budanow. Es seien Gespräche im Dreierformat gemeint, ein genaues Datum oder einen Ort nannte er jedoch nicht.
Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuletzt erklärt, der Kreml gehe davon aus, dass die USA, Russland und die Ukraine den Dialog «in absehbarer Zeit» fortsetzen könnten. Zugleich schloss er ein Treffen von Präsident Wladimir Putin mit Selenskyj beim diesjährigen G20-Gipfel in den USA aus. «Das ist unmöglich», sagte Peskow. Eine solche Begegnung könne nur in Moskau stattfinden.
China und Indien haben nach russischen Angaben ihre Vermittlung für Friedensgespräche angeboten. Kremlsprecher Peskow zufolge begrüßt Putin diese Bereitschaft. Die Staatschefs Xi Jinping und Narendra Modi nehmen am Wochenende am Brics-Gipfel in Delhi teil.
Selenskyj kritisierte unterdessen die Europäische Union scharf. Die EU hat bis zum 15. September Zeit, ihre Sanktionen gegen mehr als 3.000 überwiegend russische Einrichtungen und Einzelpersonen zu verlängern, konnte sich aber bislang nicht einigen. Der ukrainische Präsident nannte das Verhalten der EU «unmoralisch und selbstzerstörerisch». Die Slowakei blockiert eine Einigung und fordert die Aufhebung der Sanktionen gegen die Oligarchen Michail Fridman und Alischer Usmanow. Laut vier EU-Diplomaten hat sich nun erstmals auch Frankreich dem Vorstoß angeschlossen, Usmanow von der Liste zu streichen.
In der russischen Teilrepublik Tatarstan wurden unterdessen zwei Menschen durch einen ukrainischen Drohnenangriff getötet. Eine Drohne stürzte in einen Baum und beschädigte ein Auto mit vier Insassen; zwei von ihnen starben, die anderen beiden wurden schwer verletzt. Vier weitere Menschen wurden verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrie- und zivile Objekte wurden beschädigt, in einem Unternehmen brach ein Feuer aus, das schnell gelöscht werden konnte.

