Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser steckt in finanziell prekärer Lage. Nach einer Umfrage unter Klinikchefs werden die Sparmaßnahmen der Bundesregierung die Finanznot der Häuser noch erheblich verschärfen. Die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger hat dazu in der neuen Ausgabe ihrer jährlichen Krankenhausstudie Ergebnisse veröffentlicht.

Schon im vergangenen Jahr waren demnach fast drei Viertel der Kliniken, nämlich 73 Prozent, in den roten Zahlen. Das waren zwar geringfügig weniger als im Jahr davor, doch die Finanzlöcher werden immer tiefer. Bei über der Hälfte der Häuser, nämlich 56 Prozent, summierte sich das Defizit am Jahresende auf mehr als zehn Prozent des Umsatzes. In einigen Krankenhäusern lag es sogar bereits bei einem Viertel. Nach Einschätzung der Unternehmensberater rutscht damit ein Großteil der Kliniken unter die Grenze der finanziellen Tragfähigkeit. Viele haben ihre Reserven weitgehend aufgebraucht.

Mitautor Jonas Hollacher rechnet deshalb mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen. «Die Zahl der Insolvenzen wird wahrscheinlich stark steigen», schreibt er. Grundlage der Studie sind Interviews mit rund 600 Geschäftsführern und ärztlichen Direktoren.

Um gegenzusteuern, wollen viele Häuser beim Personal sparen. Mehr als zwei Drittel der Kliniken, nämlich 68 Prozent, planen Maßnahmen beim Pflegepersonal. In den übrigen Abteilungen sind es sogar 86 Prozent. Gut die Hälfte der Krankenhäuser will zudem Investitionen verschieben oder ganz streichen.

Die Lage ist so angespannt, dass viele Häuser die Hoffnung auf schwarze Zahlen bereits aufgegeben haben. 84 Prozent der befragten Klinikchefs gaben an, ihr Ergebnisziel im vergangenen Jahr erreicht zu haben. Sie hatten die Verluste also von vornherein eingeplant. «Die wirtschaftliche Verschlechterung wird nicht mehr als überraschend erlebt, sondern bewusst einkalkuliert», heißt es in dem Papier.

Das im Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Sparpaket für das Gesundheitswesen dürfte die Defizite nach Einschätzung der befragten Klinikchefs weiter vergrößern. Im Schnitt rechnen sie mit einem Rückgang der Einnahmen um sieben Prozent. Das sogenannte Beitragsstabilisierungsgesetz soll weitere Beitragserhöhungen der gesetzlichen Krankenkassen verhindern. Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband befürchtet dadurch eine schlechtere medizinische Versorgung, und viele Landes- und Kommunalpolitiker hatten ebenfalls protestiert.

Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Zwei Drittel der Krankenhauschefs erwarten für die kommenden Jahre eine weitere Verschlechterung der Lage.

Der Sozialverband Deutschland forderte Bund und Länder auf, den Kliniken das für die Versorgung notwendige Geld bereitzustellen. Verbandspräsidentin Michaela Engelmeier sagte: «Die Krankenhausreform muss die Qualität der Versorgung verbessern, unverzichtbare Standorte erhalten und den wirtschaftlichen Druck auf die Kliniken verringern, statt die bestehenden Probleme weiter zu verschärfen.» Insbesondere die Länder müssten ihrer Verantwortung für die Investitionskosten nachkommen, statt die finanziellen Lasten einseitig auf die gesetzlich Versicherten abzuwälzen.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.