Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat die Bedeutung eines möglichen U-Boot-Deals mit Kanada hervorgehoben und die Argumente für eine Vergabe an den deutschen Marineschiffbauer TKMS als stark bezeichnet. Bei einem Besuch in Wismar, wo TKMS gemeinsam mit dem Stammsitz in Kiel die konventionellen U-Boote bauen würde, sagte der SPD-Politiker: „Die ganze Bundesregierung wirbt dafür, dass es jetzt hier dann auch zu einer Kooperation mit Kanada kommt. Die Argumente sind wirklich auf unserer Seite.“ Der Auftrag gilt als einer der größten in der Geschichte des nicht nuklearen U-Boot-Baus.
TKMS-Chef Oliver Burkhard zeigte sich zuversichtlich, den Zuschlag zu erhalten. Er verwies auf die Interoperabilität zwischen Nato-Partnern als entscheidenden Vorteil. „Wir glauben, dass wir da gute Chancen haben, den Zuschlag zu bekommen“, sagte Burkhard. Die kanadische Marine zeigt Interesse an dem U-Boot-Typ 212CD, den TKMS bereits für Deutschland und Norwegen baut – jeweils sechs Boote. Sollte Kanada den Auftrag erteilen, könnte es sich um bis zu zwölf U-Boote handeln. Burkhard unterstrich die Dimension: „Es wäre der größte Auftrag, der jemals in dieser Welt der konventionellen U-Boote vergeben wurde bei einem Nato-Partner.“
Die Werft in Wismar gehört seit Mitte 2022 zu TKMS, nachdem der auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Vorbesitzer MV-Werften und der asiatische Mutterkonzern Genting Insolvenz angemeldet hatten. Der Aufbau des Standorts laufe gut, so Burkhard. Allein in die Druckkörpertaktstraße – eine Fertigungslinie für die Rümpfe von U-Booten – habe man über 100 Millionen Euro investiert. Eine solche Anlage ist in Kiel bereits in Betrieb, in Wismar befindet sie sich derzeit in der Probephase. „Die nächsten drei Monate werden wir dafür nutzen, um dann die Serienfertigung zu starten“, kündigte Burkhard an.
Ab September soll es in Wismar richtig losgehen: sowohl mit dem Bau des neuen Forschungseisbrechers „Polarstern“ als auch mit der U-Boot-Produktion für ein südostasiatisches Land, das Burkhard nicht nennen durfte, aber als Stadtstaat beschrieb. Singapur hat sich bereits mehrfach U-Boote von TKMS bauen lassen und weitere bestellt. Die Serienproduktion für diesen Kunden wird in Wismar anlaufen und die Werft langfristig auslasten.
Klingbeil sprach von einer sehr guten Perspektive für den Standort Wismar. Die Zahl der Beschäftigten könnte demnach bis 2029 auf 1.700 anwachsen. Burkhard präzisierte: „Wir haben uns ja immer orientiert an der Zahl 1.500. Das können auch 1.700 sein, das können auch 1.450 sein. Das hängt am Ende ab von der Auftragslage.“ Die Werft hat sich in den vergangenen Jahren von der Insolvenz erholt und baut ihre Kapazitäten kontinuierlich aus.
TKMS zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kiel beschäftigt insgesamt mehrere Tausend Mitarbeiter. Der mögliche kanadische Auftrag würde nicht nur die Auslastung der Werften in Wismar und Kiel sichern, sondern auch die strategische Bedeutung der deutschen U-Boot-Bauindustrie für die Nato unterstreichen. Die kanadische Regierung hatte zuvor angekündigt, ihre U-Boot-Flotte modernisieren zu wollen, um den gestiegenen Anforderungen der Bündnisverteidigung gerecht zu werden.
Die Entscheidung über die Vergabe des Auftrags wird in Ottawa erwartet. Neben TKMS bewerben sich auch andere internationale Werften um den Milliardenauftrag. Die deutsche Bundesregierung unterstützt die Bewerbung von TKMS aktiv, wie Klingbeil betonte. Die enge Zusammenarbeit mit Nato-Partnern und die bereits bestehenden Kooperationen mit Norwegen und Deutschland gelten als starke Argumente für eine Vergabe an den deutschen Hersteller.
