Hans-Joachim Watzke, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat die Pläne der FIFA kritisiert, strategische Investoren an den kommerziellen Rechten künftiger Weltmeisterschaften zu beteiligen. Der frühere Geschäftsführer von Borussia Dortmund äußerte sich besorgt über die zunehmende Kommerzialisierung des internationalen Spitzenfußballs und warnte vor einem Kontrollverlust der Verbände. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will noch in dieser Woche über die umstrittenen Pläne beraten.
Hintergrund der Debatte ist ein Vorstoß der FIFA, einen Teil der Vermarktungsrechte für die Weltmeisterschaften 2030, 2034 und möglicherweise darüber hinaus an externe Investoren zu verkaufen. Damit sollen langfristige Einnahmen gesichert und neue Finanzierungsquellen erschlossen werden. Kritiker befürchten jedoch, dass ein solcher Schritt die Unabhängigkeit des Fußballs gefährdet und Entscheidungen zunehmend an gewinnorientierten Interessen ausgerichtet werden. Watzke betonte in einer Stellungnahme, der Fußball dürfe nicht zum Spielball von Finanzinvestoren werden.
Der DFB-Vize schloss sich damit früheren Warnungen aus anderen europäischen Fußballverbänden an. Bereits im vergangenen Jahr hatten mehrere nationale Verbände Bedenken gegen eine mögliche Beteiligung von Private-Equity-Firmen an den WM-Rechten geäußert. Die FIFA hingegen argumentiert, dass die Einnahmen aus Investorenbeteiligungen dringend benötigt würden, um die Entwicklung des Fußballs weltweit zu fördern, insbesondere in weniger wohlhabenden Regionen. Der Weltverband verweist auf erfolgreiche Modelle im Vereinsfußball, etwa bei der Vermarktung von Klub-Wettbewerben.
Die UEFA steht den Plänen der FIFA traditionell skeptisch gegenüber. Die europäischen Verbände befürchten einen Machtverlust und eine Schwächung ihrer eigenen Wettbewerbe wie der Champions League. Ein mögliches Vorgehen der UEFA könnte ein formelles Votum auf der nächsten Exekutivsitzung sein, bei dem die Mitgliedsverbände eine gemeinsame Position festlegen. Insidern zufolge wird auch über eine rechtliche Prüfung der FIFA-Pläne nachgedacht, um mögliche Verstöße gegen die Statuten der globalen Fußballordnung zu prüfen.
Watzke selbst hat in der Vergangenheit immer wieder vor übertriebener Kommerzialisierung gewarnt. Bereits während seiner Zeit bei Borussia Dortmund sprach er sich gegen die Einführung einer europäischen Super League aus und kritisierte die zunehmende Abhängigkeit von Investorengeldern im Profifußball. Sein jetziges Engagement gegen die FIFA-Pläne passt in dieses Bild. Der 66-Jährige gilt als eine der einflussreichsten Stimmen im deutschen Fußball und vertritt den DFB auch in internationalen Gremien.
Die Diskussion über den Investoreneinstieg kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die FIFA ohnehin unter Druck steht. Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2030 an ein Sechs-Länder-Bündnis und die Entscheidung für Saudi-Arabien als Ausrichter der WM 2034 hatten bereits für Kontroversen gesorgt. Kritiker werfen dem Weltverband vor, bei der Vergabe von Turnieren zunehmend wirtschaftliche und politische Interessen über sportliche Kriterien zu stellen. Ein Einstieg von Investoren würde diese Tendenz nach Ansicht von Watzke weiter verstärken.
Die genauen Modalitäten der geplanten Investorenbeteiligung sind noch nicht bekannt. Nach Informationen aus FIFA-Kreisen soll es um den Verkauf von Minderheitsanteilen an einer eigens gegründeten Vermarktungsgesellschaft gehen. Interessenten könnten große Private-Equity-Firmen oder Staatsfonds sein. Die Verhandlungen befinden sich dem Vernehmen nach in einem fortgeschrittenen Stadium. Die UEFA versucht nun, die europäischen Verbände hinter einer einheitlichen Ablehnung zu versammeln, um die Pläne entweder zu verwässern oder ganz zu stoppen.
Sollte es tatsächlich zu einem Investoreneinstieg kommen, wäre dies eine der tiefgreifendsten Änderungen der FIFA-Geschäfte seit Jahrzehnten. Die Weltmeisterschaft ist das mit Abstand wertvollste Sportereignis der Welt. Allein mit der Vermarktung der Turniere erzielt die FIFA Einnahmen in Milliardenhöhe. Ein Teilverkauf dieser Rechte würde nicht nur kurzfristig Liquidität bringen, sondern auch langfristige strategische Partnerschaften begründen. Watzke und andere Kritiker warnen jedoch vor den langfristigen Risiken: Sobald Investoren beteiligt seien, würden diese auf maximale Rendite drängen, was zu höheren Ticketpreisen, mehr Spielen und einer weiteren Aufblähung des Turnierkalenders führen könne.
Die Entscheidung über den weiteren Umgang mit den FIFA-Plänen dürfte in den kommenden Wochen fallen. Die UEFA-Sitzung Ende dieser Woche wird als richtungsweisend angesehen. Sollten die Europäer geschlossen Widerstand leisten, könnte die FIFA gezwungen sein, ihre Pläne zu modifizieren oder zurückzuziehen. Watzke hat bereits angekündigt, sich mit aller Kraft gegen den Investoreneinstieg zu stemmen und auch die anderen nationalen Verbände zu mobilisieren. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung wird maßgeblich darüber entscheiden, ob der Weltfußball künftig stärker von externen Kapitalgebern gesteuert wird oder ob die Verbände ihre Autonomie bewahren können.
