Spanien hat seine Favoritenrolle im ersten K.-o.-Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft eindrucksvoll untermauert. Der Europameister besiegte Österreich am Dienstagabend in einem einseitigen Achtelfinale mit 3:0 (1:0) und zog souverän in die nächste Runde ein. Vor 70.492 Zuschauern in der Arena von Houston, darunter die Schauspieler Javier Bardem und Penélope Cruz sowie Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea, dominierte die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente über weite Strecken und ließ dem Gegner kaum eine Chance.
Die Tore für Spanien erzielten Mikel Oyarzabal mit einem Doppelpack (36. und 89. Minute) sowie Pedro Porro (66.). Oyarzabal, der als Matchwinner des Abends gefeiert wurde, zeigte sich nach dem Spiel bescheiden: „Es war ein kompliziertes Spiel und wir wussten, dass es schwierig sein würde.“ Sein Trainer de la Fuente war dagegen voll des Lobes: „Wir haben ein wundervolles Spiel gezeigt. Ich bin überglücklich.“
Österreich, das sich in der Gruppenphase stark präsentiert hatte, fand gegen die spielerisch überlegene spanische Mannschaft kaum Mittel. Trainer Ralf Rangnick räumte ein: „Insgesamt muss man anerkennen, dass wir auf einen herausragend guten Gegner getroffen sind.“ Er haderte zugleich mit der Auslosung, die seinem Team bereits im Achtelfinale den Europameister bescherte. „Ich glaube, dass wir mit dieser Mannschaft gegen jeden anderen Gegner auf Augenhöhe die Chance auf das Weiterkommen gehabt hätten“, sagte Rangnick. Auch Österreichs Bundesliga-Profi Marcel Sabitzer zeigte sich realistisch: „Man muss sagen, dass die einfach besser sind als wir. Der Sieg ist verdient für Spanien.“
Die Partie begann vielversprechend für die Österreicher. Kapitän David Alaba hatte angekündigt, man wolle sich nicht verstecken, und tatsächlich erspielte sich das Team um den BVB-Profi Sabitzer die erste klare Chance. Eine Flanke von Sabitzer auf Michael Gregoritsch, der anstelle von Marko Arnautovic in die Startelf gerückt war, geriet jedoch um einen Tick zu lang (17. Minute). Der Stürmer streckte sich vergeblich, wenige Meter vor dem Tor. Danach übernahmen die Spanier zunehmend die Kontrolle.
Der agile Dani Olmo wurde nach einer sehenswerten Drehung erst im letzten Moment vom Ball getrennt (29.). Aus der folgenden Ecke entstand ein vermeintliches Tor von Marc Cucurella, das jedoch wegen eines Fouls an Torwart Alexander Schlager nicht anerkannt wurde. Schlager war in der Folge mehrfach gefordert: Er kratzte einen Schuss von Oyarzabal aus dem langen Eck (33.) und verhinderte kurz darauf gegen Lamine Yamal, der den Ball über das Tor lupfte. Die Führung fiel dann in der 36. Minute: Cucurella schickte Oyarzabal mit einem Pass in den Rücken der österreichischen Abwehrkette, und der Stürmer lenkte den Ball flach und kalt ins Tor, unbeeindruckt vom heranfliegenden Alaba. Kurz vor der Pause knallte Alex Baena einen Freistoß an die Latte, Schlager war mit einer Hand am Ball. In der gleichen Szene kam Yamal völlig frei zum Abschluss, doch der starke Torwart von RB Salzburg verhinderte das zweite Gegentor.
Rangnick reagierte zur Halbzeit mit einem Doppelwechsel im defensiven Mittelfeld: Für Xaver Schlager und Nicolas Seiwald kamen Florian Grillitsch und Carney Chukwuemeka. Die schnellen Ballverluste blieben jedoch ein Problem für die Alpenrepublik. Spaniens Gegenpressing funktionierte deutlich besser als das der Österreicher, die kaum zu gefährlichen Kontern kamen. Nach einer Stunde brachte Rangnick auch Arnautovic und Sasa Kalajdzic für die Offensive. Kalajdzic, der im letzten Gruppenspiel gegen Algerien den späten Ausgleich zum 3:3 erzielt hatte, stand noch keine Minute auf dem Platz, als er die beste Torchance Österreichs hatte. Sein Kopfball unter Bedrängnis ging jedoch über das Tor (61.).
Das 2:0 fiel in der 66. Minute und bedeutete die Vorentscheidung. Erneut war Österreich dem spanischen Druck nicht gewachsen. Baenas Flanke köpfte Porro aus sieben Metern in die Maschen, unmittelbar vor der zweiten Trinkpause. Auch danach behielt Spanien die Kontrolle. Yamal hatte kurz vor Schluss das 3:0 auf dem Fuß (85.), doch sein Schuss aus der Drehung wurde auf der Linie von Alaba geklärt. Oyarzabal ließ sich die Chance zum Doppelpack dann nicht entgehen: Erneut nach einer Vorlage von Cucurella traf er in der 89. Minute zum Endstand.
Neben dem Sieg sorgte ein Rekord für Aufsehen. Spaniens Torhüter Unai Simon blieb nun WM-übergreifend 519 Minuten ohne Gegentor und übertraf damit die bisherige Bestmarke des Italieners Walter Zenga, die bei 517 Minuten gelegen hatte. Simon hatte letztmals bei der WM 2022 in Katar hinter sich greifen müssen. Der Rekord unterstreicht die defensive Stabilität der Spanier, die in vier Spielen bei dieser WM noch kein Gegentor kassiert haben.
Spanien trifft am 6. Juli in Dallas nun im Viertelfinale auf den Sieger der Partie zwischen Portugal und Kroatien. Die Mannschaft von Trainer de la Fuente gilt weiterhin als einer der großen Titelfavoriten. Österreich hingegen verabschiedet sich nach einer insgesamt respektablen Turnierleistung aus der WM. Die Enttäuschung war den Spielern anzusehen, doch die Erkenntnis, an einem übermächtigen Gegner gescheitert zu sein, half, die Niederlage einzuordnen.
