Julian Nagelsmann tritt übereinstimmenden Medienberichten zufolge als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurück. Der 38-Jährige soll nach einer Krisensitzung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag in Frankfurt am Main zu dieser Entscheidung gelangt sein, wie der TV-Sender Sky und die „Bild“-Zeitung berichteten. Der Druck auf den Coach war nach dem frühen WM-Aus immens gestiegen.
Nagelsmann war mit der DFB-Auswahl am Montag im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft im Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert. Unmittelbar nach dem Ausscheiden in Foxborough in den USA hatte er einen Rücktritt noch ausgeschlossen. „Ich bin keiner, der wegläuft“, sagte Nagelsmann damals. Bei dem Treffen in Frankfurt soll ihm die DFB-Spitze diesen Schritt jedoch nahegelegt haben, was zu einem Sinneswandel führte.
Die deutsche Nationalmannschaft verpasste damit zum dritten Mal in Folge die Runde der besten 16 Teams bei einer WM. Bereits 2018 in Russland und 2022 in Katar war das DFB-Team in der Vorrunde gescheitert. Beim XXL-Turnier in Amerika mit erstmals 48 Mannschaften war Nagelsmann mit dem erklärten Ziel angetreten, die Mannschaft bestmöglich zum Titel zu führen. Stattdessen endete das Turnier für den Bundestrainer mit seiner bittersten Niederlage.
Nagelsmann war im September 2023 als Nachfolger von Hansi Flick angetreten und galt damals als „Wunschlösung“ von DFB-Sportdirektor Rudi Völler. Völler war in der etwas mehr als 1.000 Tage währenden Amtszeit Nagelsmanns dessen wichtigster Ansprechpartner im Verband. „Wir haben ein absolutes Topverhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis. Julian ist ein Toptrainer“, hatte Völler noch vor dem Paraguay-Spiel betont. Bei seinem ersten Turnier als DFB-Chefcoach, der Heim-EM vor zwei Jahren, war Nagelsmann im Viertelfinale gegen den späteren Titelgewinner Spanien unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung ausgeschieden.
Der ehemalige Bundesliga-Trainer, der zuvor die TSG Hoffenheim, RB Leipzig und den FC Bayern München coachte, bestritt seine ersten Länderspiele im Oktober 2023 ebenfalls auf einer US-Reise. In Foxborough leitete er damals sogar seine ersten Trainingseinheiten – nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem er nun seine schwerste Niederlage erlebte.
Offen ist noch die DFB-Zukunft von Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig. Der Verband mit Präsident Bernd Neuendorf an der Spitze muss nun erneut einen neuen Cheftrainer suchen. Nach dem WM-Aus 2018 hatte Joachim Löw bis einschließlich zur EM 2021 weitermachen dürfen, nach dem Ausscheiden 2022 in Katar wurden auch Flick weitere Spiele gegeben.
Als Top-Kandidat für eine mögliche Nachfolge wird Jürgen Klopp gehandelt. Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig. Zuvor war Klopp als Trainer sehr erfolgreich bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Mit dem BVB wurde er deutscher Meister, mit Liverpool gewann er den englischen Titel und 2019 die Champions League. Derzeit ist er als Experte für MagentaTV in Amerika im Einsatz.
Das erste Länderspiel der deutschen Mannschaft nach der WM findet am 24. September in den Niederlanden zum Start in die Nations League statt. Weitere Gruppengegner bis zum Jahresende sind Griechenland und Serbien. Die Nationalmannschaft steht damit vor einem erneuten Neuanfang, während die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Nagelsmann bereits begonnen hat.
