Joey Chestnut hat am Freitag das traditionelle Hotdog-Wettessen in New York gewonnen. Der 42-jährige Profi-Wettesser verzehrte auf Coney Island 66 Hotdogs in zehn Minuten und sicherte sich damit seinen 18. Titel bei diesem Event. Der Wettkampf fand traditionell am 4. Juli statt, dem Nationalfeiertag der USA, der in diesem Jahr zugleich der 250. Geburtstag des Landes war.

Chestnut zeigte sich nach seinem Sieg zufrieden, aber nicht restlos überzeugt. Er sehe noch Raum für Verbesserung, sagte er. Es habe sich angefühlt, als sei noch viel Platz in seinem Magen gewesen. Dennoch sei es ein Traum, am Unabhängigkeitstag in New York seinen Titel verteidigen zu können. Mit 66 Hotdogs blieb er zehn unter seinem eigenen Weltrekord, den er bei früheren Wettkämpfen aufgestellt hatte.

Das Wettessen auf Coney Island ist das wohl bekannteste seiner Art weltweit. Jedes Jahr kommen Zehntausende Menschen an die Südspitze New Yorks, um das Spektakel zu verfolgen. Millionen weitere verfolgen die Übertragung im Fernsehen: Mehrere lokale Sender bauten Kameras auf, der Sportsender ESPN übertrug live. Der Wettbewerb verbindet nach Ansicht vieler Beobachter typisch amerikanische Elemente: die Liebe zum Wettbewerb, ein Nationalgericht und die Fähigkeit, aus jeder Veranstaltung ein großes Event zu machen.

Insgesamt traten 15 Kandidaten an. Sie hatten zehn Minuten Zeit, so viele Hotdogs wie möglich zu essen. Wer sich während des Wettkampfs übergab, wurde disqualifiziert. Der Sieger erhielt 10.000 Dollar Preisgeld und einen Gürtel, der an die Weltmeistertitel im Boxen erinnert: Bei den Männern ist er senfgelb, bei den Frauen pink. Die Gewinnerin der Frauen, Miki Sudo, gewann mit fast 39 Hotdogs.

Chestnut gilt als der erfolgreichste Wettesser aller Zeiten. In der Vergangenheit vertilgte er unter anderem 141 hart gekochte Eier in acht Minuten, 5,9 Kilogramm Salzkartoffeln in zehn Minuten oder 182 Hähnchenflügel in 30 Minuten. Insgesamt hält er derzeit 55 Weltrekorde im Daueressen. Veranstalter des Events ist die Organisation Major League Eating, die sich als Sportverband versteht und jährlich mehr als 70 Wettessen ausrichtet, darunter auch Qualifikationsturniere für Coney Island.

Die meisten Wettessen stoßen beim Publikum auf geringes Interesse. Das Hotdogessen in New York dagegen genießt eine ähnliche Bekanntheit wie Wimbledon im Tennis oder die Tour de France im Radsport. Viele Besucher reisen eigens zum 4. Juli nach Coney Island. Ashley und Will aus der Umgebung von Washington, D.C., trugen Hüte, die Hotdogs nachempfunden waren. Sie bezeichneten das Event als große Party. Auch der 56-jährige Steve Mumford war vor Ort – als Schiedsrichter. Er zählte die verzehrten Würstchen und sprach von seiner patriotischen Pflicht. Seit elf Jahren übernimmt er diese Aufgabe.

Der Veranstaltungsort selbst ist reich an amerikanischer Folklore. Coney Island gilt seit mehr als hundert Jahren als Vergnügungsviertel von New York. Nur wenige Meter hinter dem Hotdog-Restaurant erstreckt sich eine Strandpromenade mit Achterbahnen, Riesenrad und einem Baseballstadion. Die Geschichte des Hotdogs ist historisch nicht eindeutig belegt. Einer Überlieferung zufolge soll der deutschstämmige Charles Feltman die Wurst im Brötchen erstmals am Strand von Coney Island verkauft haben. Einer seiner Mitarbeiter, Nathan Handwerker, eröffnete später ein eigenes Geschäft und gründete die Marke Nathan's Famous, die bis heute den Esswettbewerb ausrichtet.

Auch der Ursprung des Wettbewerbs ist nicht eindeutig geklärt. Nathan's Famous verbreitete einst die Legende, dass der Wettkampf 1916 durch einen Streit mehrerer Einwanderer entstanden sei. Wer die meisten Hotdogs essen könne, sei der beste Amerikaner, hieß es in der Firmengeschichte. Tatsächlich hatte sich die Wurstfirma die Geschichte aus Marketinggründen ausgedacht. Der Wettbewerb begann erst in den Siebzigerjahren, wie das Unternehmen später einräumte. Die Hoffnung war, so für mehr Bekanntheit zu sorgen.

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.