Die Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer rückt in greifbare Nähe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf bei einem Gipfeltreffen mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff in München eine grundsätzliche Einigung erzielt. Damit ist die größte Hürde auf dem Weg zum Engagement des 58-Jährigen genommen. Details zu den genauen Bedingungen des Treffens wurden zunächst nicht bekannt, doch die letzten Hindernisse für einen Wechsel von Klopp von Red Bull zum Deutschen Fußball-Bund sind demnach aus dem Weg geräumt.
Klopp, der seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für Red Bull tätig ist, soll die Nachfolge von Julian Nagelsmann antreten, der nach dem frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay zurückgetreten war. Der frühere Erfolgstrainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool wäre damit der 13. Chefcoach der DFB-Auswahl. Vor einer offiziellen Verkündung müssen jedoch noch die zuständigen Gremien des Verbandes zustimmen. Der DFB hatte bereits nach dem Treffen von Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke mit Klopp am vergangenen Samstag in New York klargestellt, dass ein möglicher Vertrag final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden müsse.
Die Klärung mit Mintzlaff dauerte nur einen Sitzungstag. Zu welchen Bedingungen Red Bull Klopp aus seinem bis 2029 datierten Vertrag entlassen wird, ist noch nicht bekannt. Zur Diskussion steht, inwiefern Klopp auch als Bundestrainer für das Unternehmen tätig sein kann oder ob eine Ablösesumme fällig wird. Der DFB wollte eine solche Zahlung möglichst vermeiden. Zuletzt hieß es, dass es nicht um eine Abfindung in Millionenhöhe gehe, sondern eher symbolhafte Aktivitäten mit Klopp als Repräsentant möglich wären. Ein entsprechendes Statement ließ nach dem persönlichen Treffen von Neuendorf mit Mintzlaff vorerst auf sich warten.
Die Zusammenkunft mit dem Top-Manager war der nächste Schritt im ausgemachten Klopp-Fahrplan des DFB. In einer Mitteilung des Verbandes hieß es: „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können.“ Erwartet wird auch noch eine direkte Zusammenkunft von Klopp mit Mintzlaff. Diese dürfte allerdings nicht mehr maßgeblich für ein grundsätzliches Zustandekommen des großen Sommer-Deals sein. Mintzlaff soll zum WM-Finale reisen, das am Sonntag in East Rutherford vor den Toren von New York stattfindet. Dort hat Klopp als Experte von MagentaTV seinen WM-Hauptsitz. Eine finale Einigung scheint schon vorher möglich. Auch eine Präsentation Klopps als Bundestrainer könnte bereits in der kommenden Woche nach dessen Rückkehr nach Deutschland stattfinden.
Sportchef Lars Ricken von Klopps ehemaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund sieht nach der erneut verkorksten Weltmeisterschaft besonders die Bundesliga-Vereine in der Pflicht. Klopp als wahrscheinlich künftiger Bundestrainer sei zwar das „Rundum-Problemlöser-Paket“, doch könne er allein nicht Heilsbringer des deutschen Fußballs sein, sagte Ricken beim BVB-Trainingsauftakt. „Der Nationaltrainer ist dafür verantwortlich, dass die Spieler, die er zur Verfügung hat, das maximale Ergebnis rausholen“, führte Ricken aus. „Für die Ausbildung der Spieler kann der DFB natürlich gewisse Leitplanken vorgeben. Aber letztendlich sind wir als Vereine dafür verantwortlich und in der Pflicht, die Spieler so auszubilden, dass sie auch bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied machen.“
Klopp blickt auf eine außergewöhnliche Trainerkarriere zurück. Er führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga, wurde mit Borussia Dortmund zweimal deutscher Meister und gewann den DFB-Pokal. 2015 wechselte er zum FC Liverpool, den er ebenfalls zum Meistertitel und Pokalsieg führte. Sein größter Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League, dem sportlich bedeutendsten Titel im Vereinsfußball. Der Job des Nationaltrainers wäre für ihn Neuland. Die ersten vier Länderspiele der kommenden Saison finden innerhalb von zehn Tagen zwischen dem 24. September und 4. Oktober statt, mit Partien der Nations League in den Niederlanden, zweimal gegen Griechenland und gegen Serbien. Klopp hätte also ausreichend Zeit, mit potenziellen Stützen des Neustarts wie DFB-Kapitän Joshua Kimmich zu sprechen.
