In einem dramatischen WM-Halbfinale in Atlanta hat sich Titelverteidiger Argentinien mit einem 2:1-Sieg gegen England durchgesetzt und steht damit im Finale. Vor 68.239 Zuschauern drehte die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni einen 0:1-Rückstand in der Schlussphase und sicherte sich den Einzug ins Endspiel. Dort trifft Argentinien am Sonntag in New York auf Spanien.

Die Partie war von Beginn an von hoher Intensität und emotionaler Spannung geprägt. Bereits in den ersten Minuten kam es zu einer Rudelbildung, nachdem Enzo Fernández Elliot Anderson gefoult hatte. Schiedsrichter Ismail Elfath musste die Gemüter beruhigen. Die argentinischen Fans, die im Stadion deutlich in der Überzahl waren, pfiffen alles Englische gnadenlos aus – von der Einblendung von David Beckham auf der Anzeigetafel bis zur Nationalhymne.

England ging in der 55. Minute durch Anthony Gordon in Führung. Nach einer Balleroberung von Declan Rice flankte Morgan Rogers auf den langen Pfosten, wo Gordon sich im Rücken von Nahuel Molina löste und zur Führung traf. Argentinien zeigte sich jedoch unbeeindruckt und drängte auf den Ausgleich. Nur zwei Minuten später rettete Djed Spence mit einer riskanten Grätsche im eigenen Strafraum gegen Giuliano Simeone.

In der 85. Minute gelang Enzo Fernández der Ausgleichstreffer. Lionel Messi legte den Ball mustergültig auf, und der Mittelfeldspieler zielte aus 18 Metern präzise ins Tor. Damit nicht genug: In der zweiten Minute der Nachspielzeit war es Lautaro Martínez, der nach einer erneuten Vorlage von Messi per Kopf den Siegtreffer erzielte. Die beiden Tore fielen innerhalb von nur 6:25 Minuten und ließen die englischen Träume vom ersten WM-Titel seit 1966 platzen.

Lionel Messi stand damit erneut kurz vor dem WM-Gipfel. Der Superstar lieferte beide Vorlagen und war der entscheidende Faktor in der Schlussphase. Für Englands Kapitän Harry Kane war die Niederlage dagegen ein herber Rückschlag. Mit seinem 121. Einsatz wurde der Bayern-Stürmer zum Feldspieler mit den meisten Länderspielen für England, doch der erhoffte Finaleinzug blieb ihm verwehrt.

Das Spiel war lange Zeit von wenigen Torchancen, aber hoher Laufbereitschaft und Aggressivität geprägt. In der ersten Halbzeit musste Argentiniens Torwart Emiliano Martínez nur zweimal eingreifen, unter anderem bei einem Freistoß von Reece James. Auf der anderen Seite scheiterte Enzo Fernández mit einem Distanzschuss. Die Stars beider Teams waren zunächst kein Faktor, erst nach der Pause nahm die Partie Fahrt auf.

Trainer Thomas Tuchel, der die englische Nationalmannschaft betreut, hatte im Vergleich zum Viertelfinale drei Änderungen vorgenommen. Unter anderem brachte er beide Außenverteidiger und Morgan Rogers als Rechtsaußen. Nach der Führung stärkte Tuchel die Defensive und brachte Ezri Konsa für Gordon. Doch der Sturmlauf der Argentinier war nicht zu bändigen. Alexis Mac Allister traf in der 76. Minute per Kopf nur den Pfosten, und Nicolás González scheiterte an Englands Keeper Jordan Pickford.

Argentinien trifft nun im Finale auf Spanien, das sich zuvor gegen den anderen Halbfinalisten durchgesetzt hatte. Für Messi und seine Mannschaft ist es die Chance, den WM-Titel zu verteidigen und sich endgültig in die Fußballgeschichte einzureihen. England dagegen muss weiter auf den ersten Titel seit 1966 warten – und das nach einer erneuten dramatischen Niederlage in der Schlussphase.