Alexander Zverev hat als erster deutscher Tennisspieler seit 1995 das Endspiel des traditionsreichen Rasenturniers in Wimbledon erreicht. Der 29-jährige French-Open-Sieger setzte sich im Halbfinale gegen den britischen Außenseiter Arthur Fery in drei Sätzen durch und beendete damit dessen sensationellen Lauf bei diesem Grand-Slam-Turnier. Der Sieg bedeutet für Zverev den größten Erfolg seiner Karriere auf Rasen.

Das Halbfinale war von Beginn an von Zverevs Dominanz geprägt. Der an Nummer zwei gesetzte Deutsche ließ dem jungen Briten, der zuvor für mehrere Überraschungen gesorgt hatte, kaum eine Chance. Mit seinem kraftvollen Aufschlag und präzisen Grundlinienschlägen kontrollierte Zverev das Spielgeschehen und ließ Fery nicht in die Partie finden. Der Brite, der als Publikumsliebling galt, konnte trotz lautstarker Unterstützung des heimischen Publikums nicht an seine Leistungen der vorherigen Runden anknüpfen.

Mit diesem Erfolg schreibt Zverev deutsche Tennisgeschichte. Der letzte deutsche Spieler, der das Finale von Wimbledon erreichte, war Boris Becker im Jahr 1995. Becker, der das Turnier dreimal gewinnen konnte (1985, 1986, 1989), stand damals im Endspiel gegen Pete Sampras. Seitdem hatte kein deutscher Mann mehr den Sprung ins Finale des berühmtesten Rasenturniers der Welt geschafft. Zverev beendet nun diese 31-jährige Durststrecke und steht erstmals in seiner Karriere im Endspiel von Wimbledon.

Der Weg ins Finale war für Zverev nicht immer einfach. In den vorherigen Runden musste der gebürtige Hamburger mehrfach über die volle Distanz gehen und zeigte dabei große mentale Stärke. Besonders im Viertelfinale gegen den italienischen Topspieler Jannik Sinner bewies Zverev Nervenstärke, als er einen Rückstand drehte und sich in fünf Sätzen durchsetzte. Diese Erfahrung half ihm offenbar, im Halbfinale gegen Fery von Beginn an konzentriert und fokussiert zu agieren.

Arthur Fery, der als ungesetzter Spieler ins Turnier gestartet war, hatte zuvor für die größte Überraschung des Turniers gesorgt, als er im Achtelfinale den topgesetzten Spanier Carlos Alcaraz besiegte. Auch im Viertelfinale gegen den Russen Daniil Medwedew zeigte der 22-jährige Brite eine starke Leistung und gewann in vier Sätzen. Gegen Zverev war Fery jedoch chancenlos und musste sich nach nur 1 Stunde und 45 Minuten geschlagen geben.

Im Finale trifft Zverev nun auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen dem Serben Novak Đoković und dem Italiener Jannik Sinner. Đoković, der siebenmalige Wimbledon-Sieger, gilt als einer der größten Spieler aller Zeiten und wäre ein harter Prüfstein für Zverev. Sinner hingegen, der Weltranglistenerste, hat in dieser Saison bereits mehrere Turniere gewonnen und zeigt konstante Leistungen. Unabhängig vom Gegner wird Zverev als Außenseiter in das Endspiel gehen, doch seine Form und sein Selbstvertrauen lassen auf eine spannende Partie hoffen.

Die deutsche Tennisöffentlichkeit fiebert nun dem Finale entgegen, das am Sonntag auf dem Centre Court in Wimbledon stattfinden wird. Zverev selbst zeigte sich nach dem Halbfinale erleichtert und stolz: „Es ist ein Traum, der für mich in Erfüllung geht. Wimbledon ist das prestigeträchtigste Turnier der Welt, und hier im Finale zu stehen, ist etwas ganz Besonderes.“ Der Sieg im Halbfinale war für Zverev auch eine Genugtuung, nachdem er in den vergangenen Jahren mehrfach knapp an großen Erfolgen vorbeigeschrammt war.

Mit dem Einzug ins Finale hat Zverev nicht nur seine eigene Karriere gekrönt, sondern auch dem deutschen Tennis neuen Auftrieb gegeben. Nach den Erfolgen von Boris Becker und Steffi Graf in den 1980er und 1990er Jahren erlebte der deutsche Tennissport eine Durststrecke, die erst in den letzten Jahren durch Spieler wie Zverev und Angelique Kerber beendet wurde. Kerber gewann 2018 das Damen-Finale von Wimbledon. Zverev könnte nun als erster deutscher Mann seit Becker den Titel holen.

Das Finale wird weltweit mit Spannung erwartet. Tennis-Experten sehen Zverevs Aufschlag und seine Rückhand als seine größten Stärken, die ihm auch gegen die Weltklasse-Spieler Đoković oder Sinner Vorteile verschaffen könnten. Entscheidend wird jedoch sein, ob Zverev seine Nerven im Griff behält und sein Spiel auch unter dem Druck eines Grand-Slam-Finals abrufen kann. Die bisherigen Leistungen in Wimbledon lassen jedenfalls hoffen, dass der Deutsche bereit ist für den größten Moment seiner Karriere.