Die Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, Clara von Nathusius, hat nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die sogenannte Brandmauer der CDU zur AfD infrage gestellt. In der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin» sagte die CDU-Politikerin am Sonntag, sie sei offen für Gespräche mit der Rechtsaußenpartei. «Ich finde, wenn wir eingeladen werden, sollten wir erst mal mit jedem sprechen», erklärte von Nathusius. Danach müsse geprüft werden, was bei solchen Gesprächen «tatsächlich rauskommt».
Die JU-Schatzmeisterin bezeichnete die Brandmauer zur AfD als «ein gescheitertes Projekt». Die CDU habe die vergangenen Jahre nur damit verbracht zu definieren, «gegen wen oder was wir sind und nicht zu definieren, wofür wir stehen». Als inhaltliche Schwerpunkte nannte sie die soziale Marktwirtschaft, «die Migration angehen» und «endlich wieder Politik für Familien». Dahin müsse die Union «jetzt dringend kommen».
Von Nathusius übte zugleich scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Union habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, und das liege auch an Merz. «Und deswegen glaube ich leider, sind mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen», sagte sie. Auf Nachfrage präzisierte sie, dies bedeute: «Nicht noch mal antreten.»
Merz steht seit dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt in den eigenen Reihen massiv unter Druck. Die dort bisher regierende CDU hatte bei der Wahl vor einer Woche mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verloren. Die AfD siegte mit einem Rekordergebnis von 43,8 Prozent. Damit könnte erstmals in der bundesdeutschen Geschichte eine als in Teilen rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Landesregierung bilden.
Die Äußerungen der JU-Politikerin fallen in eine Phase wachsender Nervosität in der Union. Nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt mehren sich innerhalb der CDU die Stimmen, die eine strategische Neuausrichtung fordern. Von Nathusius gehört dem Bundesvorstand der CDU-Nachwuchsorganisation an und gilt als Vertreterin des konservativen Flügels. Ihre Forderung nach Gesprächen mit der AfD ist bemerkenswert, weil die CDU auf Bundesebene bislang jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt.
Ob die Union ihren Kurs ändert, ist offen. Klar ist, dass der Druck auf Merz nach dem Rekordergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt deutlich zugenommen hat. Die Diskussion über die Brandmauer und die Zukunft des Kanzlers dürfte die CDU in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

