Der frühere Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, wird am Freitag zum neuen Vorsitzenden der britischen Labour-Partei gewählt und löst damit den scheidenden Premierminister Keir Starmer ab. Der 56-Jährige soll am kommenden Montag von König Charles III. zum neuen Premierminister ernannt werden, wie die Partei am Donnerstag bestätigte. Burnham wäre damit der siebte Regierungschef Großbritanniens innerhalb von zehn Jahren – ein Zeichen für die anhaltende politische Instabilität im Land.

Burnham hatte sich in den vergangenen Tagen eine breite Mehrheit der Labour-Abgeordneten gesichert. Sein Aufstieg erfolgt nach dem Rücktritt Starmers, der am 22. Juni angesichts miserabler Umfragewerte und einer schweren Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai seinen Rücktritt angekündigt hatte. Die Labour-Partei hatte bei diesen Wahlen erhebliche Stimmenverluste hinnehmen müssen, insbesondere an die rechtspopulistische Partei Reform UK, die in vielen traditionellen Labour-Hochburgen starke Gewinne erzielte.

Der bei den Briten über Parteigrenzen hinweg beliebte Burnham gilt als Hoffnungsträger für die sozialdemokratische Labour-Partei. Seine Parteigenossen hoffen, dass er mit seinem populären und bodenständigen Stil Wählerstimmen von der rechtspopulistischen Konkurrenz zurückholen kann. Burnham, der von 2017 bis 2024 Bürgermeister von Greater Manchester war, hat sich in dieser Rolle einen Namen als pragmatischer und durchsetzungsfähiger Kommunalpolitiker gemacht. Er setzte sich unter anderem für den öffentlichen Nahverkehr, bezahlbaren Wohnraum und eine stärkere Dezentralisierung der Macht von London in die Regionen ein.

In Großbritannien ist das Amt des Premierministers traditionell an den Vorsitz der Regierungspartei gekoppelt. Sobald Burnham am Freitag offiziell zum Labour-Vorsitzenden gewählt wird, kann er daher am Montag von König Charles III. zum Premierminister ernannt werden. Die formelle Ernennung durch den Monarchen ist ein protokollarischer Akt, der den Machtwechsel besiegelt. Burnham wird dann voraussichtlich noch am selben Tag sein neues Kabinett vorstellen und erste politische Weichenstellungen vornehmen.

Burnhams politische Agenda zeichnet sich bereits ab. In früheren Äußerungen hat er sich für eine stärkere Dezentralisierung der Macht von London in die Regionen ausgesprochen – ein Modell, das er unter anderem in Deutschland als vorbildlich ansieht. Er kritisierte wiederholt die übermäßige Zentralisierung der britischen Politik und Verwaltung in der Hauptstadt. Als Premierminister will er mehr Entscheidungsbefugnisse an die Bürgermeister und Regionalregierungen in England, Schottland, Wales und Nordirland übertragen. Dies könnte weitreichende Folgen für die politische Landschaft des Vereinigten Königreichs haben.

Die Labour-Partei steht vor großen Herausforderungen. Die Umfragewerte der Partei waren unter Starmer kontinuierlich gesunken, während die Konservativen unter ihrem neuen Vorsitzenden und die rechtspopulistische Reform UK unter Nigel Farage an Zustimmung gewannen. Burnham muss nicht nur die Partei einen, sondern auch das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen. Seine Popularität, die er sich als Bürgermeister von Manchester erarbeitet hat, könnte dabei ein entscheidender Vorteil sein. Allerdings wird er sich nun auf nationaler Ebene beweisen müssen, wo die politischen Spielregeln andere sind als in der Kommunalpolitik.

Die politische Instabilität in Großbritannien hält damit an. Mit Burnham als siebtem Premierminister in zehn Jahren setzt sich der Trend häufiger Regierungswechsel fort, der mit dem Brexit-Referendum 2016 begann. Seitdem haben die Briten eine Reihe von Premierministern erlebt – von Theresa May über Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak und Keir Starmer bis hin zu Burnham. Jeder von ihnen stand vor der Herausforderung, das Land in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit, sozialer Spannungen und geopolitischer Umbrüche zu führen.

Die offizielle Bekanntgabe der Wahl Burnhams zum Labour-Vorsitzenden wird für Freitag erwartet. Die Partei hat eine kurze Übergangsphase vorgesehen, um einen reibungslosen Machtwechsel zu gewährleisten. Nach der Ernennung durch den König am Montag wird Burnham voraussichtlich seine erste Rede als Premierminister vor der Downing Street halten. Dabei dürfte er die zentralen Themen seiner Regierungszeit skizzieren: wirtschaftliche Erholung, soziale Gerechtigkeit und eine Stärkung der Regionen.