Andy Burnham wird am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt und zieht in die 10 Downing Street ein. Der Labour-Chef ist bereits der siebte britische Premierminister seit 2016. Das Amt, das einst mit großen Persönlichkeiten wie Winston Churchill und Margaret Thatcher verbunden wurde, hat in den vergangenen Jahren erheblich an Ansehen verloren. Burnham wohnt künftig nur wenige Gehminuten von den Churchill War Rooms entfernt, jenem Museum im Zentrum Londons, das einen der bedeutendsten Regierungschefs der Geschichte ehrt. Churchill, anders als Burnham ein Konservativer, verkörpert für viele Briten bis heute die historische Bedeutung des Amtes.

Die Vorgänger von Burnham prägten die vergangenen Jahre mit Krisen, Skandalen und Peinlichkeiten. David Cameron trat nach dem Brexit-Votum 2016 zurück. Theresa May scheiterte an der Umsetzung des Brexit-Abkommens. Boris Johnson wurde durch den Partygate-Skandal und fragwürdigen Umgang mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens aus dem Amt gedrängt. Liz Truss hielt nur 49 Tage durch und wurde durch einen Salatkopf verspottet, den eine Boulevardzeitung neben ihrem Foto live übertrug. Rishi Sunak konnte die wirtschaftlichen Folgen nicht in den Griff bekommen. Auch Keir Starmer, der jetzt ausscheidende Premier, hinterlässt eine schwierige Bilanz. Das Magazin The Conversation erinnerte daran, dass von den zwölf Premiers von 1945 bis 2010 nur Margaret Thatcher von ihrer eigenen Partei aus dem Amt gedrängt wurde. Seit 2010 ging nur David Cameron mehr oder weniger freiwillig.

Burnham räumte nach seiner Ernennung zum Labour-Chef am Freitag Fehler ein. „Wir müssen uns eingestehen, dass meine Politikergeneration – mich eingeschlossen – es versäumt hat, einer politischen Kultur und einem Wirtschaftsmodell entgegenzutreten, die für die breite Bevölkerung nicht gut genug funktionieren“, sagte er. Deshalb verspreche er, besser zu sein. Der 56-Jährige kündigte an, nicht versuchen zu wollen, die Grünen im Grünsein zu überbieten oder die rechtspopulistische Reform UK rechts zu überholen. Er warnte vor internen Kämpfen: „Wir werden Großbritanniens neue Rechte nicht besiegen, wenn wir von internen Kämpfen aufgezehrt werden und in unterschiedliche Richtungen ziehen.“ Die Debatte weist Parallelen zur deutschen Diskussion über die Brandmauer zur AfD auf.

Eine große Herausforderung für Burnham ist der Rechtsruck unter Nigel Farage. Dessen Partei Reform UK lag in Umfragen zeitweise deutlich vorn. Die Labour-Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai zugunsten von Reform beschleunigte den Niedergang von Starmer. Farage selbst sorgte zuletzt mit einem politischen Stunt für Schlagzeilen: Er gab sein Parlamentsmandat vorerst auf, nachdem er wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Kritik geraten war. Er will sich nun bei einer Nachwahl im Bezirk Clacton neu wählen lassen. Dass der einzige Gegenkandidat der Komiker Jon Harvey in seiner Rolle als Count Binface sein könnte, wäre eine weitere Absurdität in der britischen Politik.

Burnham sagte zum Ende seiner Rede am Freitag, er habe „nicht immer alles richtig gemacht, und ich entschuldige mich für die Fehler, die mir unterlaufen sind“. Aber er habe immer „alles gegeben“, und das werde er auch weiterhin tun. Ihm wird auch viel daran liegen, dass US-Präsident Donald Trump bei ihm nicht zu einem ähnlichen Urteil kommt wie bei Starmer. Weil Burnhams Vorgänger zunächst die bedingungslose Unterstützung im Iran-Krieg verweigert hatte, spottete Trump mehrfach, Starmer sei eben „kein Winston Churchill“. Ob Burnham das Amt des Premierministers wieder mit dem Glanz vergangener Zeiten füllen kann, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er die tiefen Risse im britischen Regierungssystem reparieren kann.